Archive for the Romane Category

Titelliste

Posted in Romane, Titelliste on 29. Juni 2016 by tramway1435

Eine Liste aller jemals erschienenen Butler Parker-Titel? Leichter gesagt als getan! Besonders die frühen Ausgaben, also alles vor Zauberkreis, bergen noch so manche Rätsel in sich. Es ist längst nicht sicher, ob alle als Leihbuch erschienen Geschichten später bei Bastei als Romanheft erneut aufgelegt wurden (diverse Romane erschienen unter anderem Titel). Die als Silber-Krimi-Exklusiv erschienenen Hefte enthalten zum Teil zwei in sich völlig abgeschlossene Geschichten und diese wurden somit zuvor separat veröffentlicht. Auch hier haben wir die Zuordnung der Leihbuch- bzw. Bastei-Vorgänger noch nicht komplett verifizieren können. Zu allen Angaben in der Titelliste mit Fragezeichen benötigen wir also noch Hinweise. Ganz generell sind uns Anmerkungen und Korrekturen natürlich jederzeit willkommen.

Die frühen Ausgaben sind am Markt heute nur schwer zu bekommen. Die späteren Ausgaben bei Zauberkreis hingegen sind recht leicht aufzutreiben. Dem gelegenlichen Leser von Butler Parker reichen diese neueren Hefte gewiß aus. Die Geschichten aus den 70er und 80er Jahren mit Lady Simpson des Autors Günter Dönges sind – und diese unsere Meinung teilen viele – wohl die besten, da hier der Witz des Autors im Vordergrund steht. Der Sammler versucht natürlich auch die frühen Ausgaben zu bekommen. Besonders die ersten Geschichten sind aber typische Gangstergeschichten. Erst im Laufe der Jahre hat Günter Dönges die eigentliche Kriminalhandlung immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

Der Webmaster ist jederzeit am Ankauf von noch fehlenden Titeln interessiert. Diese sind in der Tabelle entsprechend vermerkt. Angebote bitte per Email.

Die Titelliste steht nun als Tabelle im PDF-Datei zur Verfügung – bitte haben Sie beim Download ein klein wenig Geduld (mit ISDN oder DSL geht es schneller). Zum Ansehen der Liste benötigen Sie die Adobe® Acrobat® Reader®-Software. Dieses nützliche kleine Programm kann hier kostenlos direkt beim Hersteller heruntergeladen werden.

Download Titelliste: butlerparker.pdf

Hinweise auf Sammelbände/Werbebände sind leider noch unvollständig, da uns keine Gesamtübersicht vorliegt. Eine Logik ist in der Reihenfolge dieser Ausgaben nicht zu erkennen. Wahrscheinlich wurden einfach alle Titel noch einmal „als Paket verschnürt“ angeboten, bei denen es im Verlag große Überbestände gab. Folgende Abkürzung haben wir in der Tabelle verwendet: BPSB = Butler Parker Sammelband, KSB = Kelter Sammelband, PKSB = Parker Krimi Sammelband, QSB = Quint Bücher Sammelband, SKSB = Silber Krimi Sammelband, WERBE = Werbeband.

Einige der frühen Titel (als Leihbücher und/oder bei Bastei erschienen) sind wie bereits angedeutet inhaltlich identisch mit Silber-Krimi-Ausgaben bei Zauberkreis. Einen absoluten Inhaltsvergleich können wir erst durchführen, wenn dem Webmaster alle noch fehlenden Ausgaben vorliegen. Die tatsächlich Anzahl der geschriebenen Romane reduziert sich also ggf. noch etwas. In der Liste sind alle „Parker-Stories“, um Mehrfachnennungen zu vermeiden, nur einmal aufgeführt.

Günter Dönges (bzw. sein Bruder Helmut Dönges) schrieben unter dem Pseudonym „Glenn Larring“ anfangs auch Krimis ohne Butler Parker. Folgende acht Ausgaben sind bekannt:

  • Hallberg Verlag „Chicago Kriminal“: Nr. ?? „Die Diamanten-Gang“, Nr. 56 „Gift aus der Tube“, Nr. 59 „Es begann im Manhattan“, Nr. 70 „Die Turfmörder“, Nr. 92 „Kaltes Blut – heiße Eisen“
  • Andra-Verlag: „Ein Mörder stellt sich vor“
  • Iltis-Verlag: Nr. 234 „Agent Nr. 32 – Abt. A“
  • Imma-Verlag: „Der Fall Harper“


Auch in niederländischer Übersetzung erschienen später einige („inhaltlich“ bekannt sind uns bisher allerdings nur 4) Romanhefte:

  • #1 „Parker hengelt in Loch Ness“ = Parkers Fischzug am Loch Ness #118
  • #2 „Parker en het familiespook“ = Parker und das Schlossgespenst #116
  • #4 „Parker neemt ontvoeders tuk“ = Parker narrt die Kidnapper #132
  • #17 „Parker sluit de vampier op“ = Parker sperrt den Vampier ein #916

Als Autor ist hier John Perkins angegeben (= Günter Dönges).bp_kelter3.jpg

Neue Butler-Geschichten

Posted in Fanstories, Romane on 20. November 2015 by tramway1435

Cover Der_Butler webIm Blitz-Verlag wird seit 2012 die neue Reihe „Der Butler“ herausgegeben. Man hat scheinbar die Rechte an den Lonati-Titelbildern aber die Geschichten von Josef. J. Preyer und Curd Cornelius sind keine Butler-Parker-Romane. Trotzdem darf man gespannt sein, ob die neue Reihe ein ähnlicher Erfolg wird wie die Originalserie. Mit der Ansiedlung der Lady Marbely in Deutschland geht man auf jeden Fall einen anderen Weg ein. Wir wünschen viel Erfolg! In 2013 erschienen: „Der Butler jagt das Rungholt-Ungeheuer“ (März 2013) und „Der Butler surft von Föhr nach Sylt“ (September 2013 – von Curd Cornelius). Angekündigt ist „Der Butler macht den großen Fang“ (Curd Cornelius). Die ersten 3 Romane sind auch als eBook und sogar als Hörbuch bestellbar!

 

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An dieser Stelle wollen wir zudem neue Parker-Geschichten (Kurzgeschichten oder auch komplette Romane) veröffentlichen, die von Fans geschrieben wurden. Den Anfang macht Ralf Benfer, der den Butler in eine erfundene Episode der Romanreihe MADDRAX eingebaut hat. Weitere Informationen zu MADDRAX gibt es hier. Wer hat Lust weitere Geschichten zu schreiben?

Parker und der tote Farmer (In Gedenken an Günter Dönges)

von Ralf Benfer

Langsam blickte die Sonne über dem Waldrand im Westen hervor, als Selly mit dem Trog voller Essensreste in Richtung Stall wanderte. Das allmorgendliche Füttern der Piigs war ihre Aufgabe in der Farmergemeinde, die mehrere Familien fasste. Und doch würde sie diese Verpflichtung innerhalb der nächsten Tage einstellen. Zu schwer war ihr diese Arbeit geworden und jede weitere Mühen und Anstrengungen konnten ihr und ihrem ungeborenen Kind, dass sie im dem mittlerweile doch stark gewölbten Bauch unter ihrem schlichten, blauen Kleid austrug, eher schaden als dienlich sein. Und Herry, ihr Mann würde ziemlich erbost werden, wenn seinem ersten Kind etwas zustoßen würde, oder gar als Fehlgeburt nie einen dieser schönen Sonnenaufgänge sehen würde. Herry sprach ja bald von nichts anderem mehr, als dem noch ungeborenen Kind. An der großen Scheune angekommen, setzte Selly den Trog ab und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. ‚Am besten werde ich heute noch diese Plackerei aufhören’, dachte die junge Frau sich. Dann legte sie den großen Holzriegel der Scheune um und zog and dem großen Tor. Die kleine Durchgangstür war schon seit mehreren Tagen kaputt und einfach wieder verkantet eingesetzt worden, damit niemand Unbefugtes in den Stall konnte oder eins der Tiere aus ihrer nächtlichen Unterkunft ausbüchsen konnte. Mit aller Kraft schob sie nun das Tor auf und gewährte zuerst den Sonnenstrahlen Einlass in das Dunkel der Scheune, welche augenblicklich den ungefallenen Schemel und den darüber aufgeknüpften Leichnam in hellem Licht präsentierten. Selly Augen schienen auf das doppelte an Größe anzuwachsen, genau wie ihre Mundöffnung, aus der nur Bruchteile von Sekunden später laute Schreie entsprangen, bis ihrem eh schon belasteten Körper diese Prozedur zuviel wurde und einfach vor der Scheune zusammensackte. Denn in der Scheune hing ihr Mann Herry!

In sehr kurzer Zeit hatte sich die nahezu gesamte Farmergemeinde vor der Scheune eingefunden und redete wirr durcheinander. Niemand wusste was zu tun war. Zwei Frauen des Schiifs hatten der hochschwangeren Frau aufgeholfen und stützten sie nun, während der Schiif selber beruhigend auf sie einredete. „Es wird alles gut werden. Vertraue mir! Ich als Schiif werde niemanden der Gemeinde im Stich lassen!“ sprach er tröstend zu Selly. „Aber was soll nur aus mir und meinem Kind werden? Warum hat uns Herry das nur angetan, warum?“ „Genau Schiif, warum hat Herry suseid gemacht?“ rief einer der einfachen Farmer dazwischen und animierte dadurch etliche der Gemeinde den Schiif mit Fragen zu bestürmen. „ Herry hatte doch alles!“ „Was war los mit ihm?“ „ War er etwa krank? Weiß der Dokk was?“ rumorte es. Doch bevor der groß gewachsene Schiif auch nur eine Antwort geben konnte, brach plötzlich mit einem lauten Dröhnen ein regelrechtes Monster aus dem Wald und schoss mit einer riesigen Staubwolke hinter sich herziehend auf die gesamte Gruppe zu. Keiner der Farmer regte sich. Alle blieben wie angewurzelt auf ihrem Flecken stehen und starrten auf das schwarze, mannshohe Ungetüm, das unter lautem Kreischen knapp vor ihnen stoppte. Nur langsam legte sich der aufgewühlte Staub und Dreck wieder, als auch das Getöse erstarb. Die Gemeinde fixierte weiterhin das schwarze Ding, bis sich seitlich ein Teil des Gebildes auftat. Aus diesem schwarzen Monstrum – was nur sehr entfernt an die Fahrzeuge der Tekknos aus Salisbury erinnerte – stieg eine Gestalt. Auch diese war nahezu komplett in schwarz verpackt und trotz des eigenartigen Aussehen musste es ein Mensch sein, denn er sprach die Gruppe an, während er das halbrunde, schwarze Etwas auf seinem Kopf in die Höhe lupfte: „Einen angenehmen guten Morgen wünsche ich ihnen, Ladies und Gentlemen! Ich hoffe, ich störe ihre kleine Gesellschaft nicht. Mein Name ist Parker, Josuah Parker. Ich bin auf der Durchreise nach London und musste leider peinlich berührt feststellen, dass ich offensichtlich meine geplante Reiseroute verfehlt habe. Vielleicht wäre jemand ihrerseits bereit, meiner Wenigkeit Auskunft über den hiesigen Standort zu erteilen!“ Und mit dem gleichen neutralen Hundeblick, den er die ganze Zeit vortrug, setzte Parker die Melone wieder auf seinen Kopf, nicht ohne sie dabei exakt in Waage auszurichten. „Häääää?“ ertönte es aus nahezu allen Mündern der Versammelten, wobei der kleingewachsene Farmer Shäck hinterher blöckte: „Wo kommsten du häar?“ Parker legte überrascht den Kopf schief und antwortete: „ Obwohl dies augenscheinlich nicht zur Ortbestimmung beiträgt: ich komme aus dem Landhaus in Schottland, auf welchen sich meine Wenigkeit zurückgezogen hat, nachdem ich lange Jahre dem Herren Mike Rander und auch Lady Simpson diente.

Meinen Ruhestand widmete ich den Erfindungen der Firma De Broglie Enterprises aus Kanada und tatsächlich; mit einigen kleinen Änderungen scheinen die Versuche mit den Einfriercontainern zu funktionieren. Aber ich langweile ihre Gesellschaft mit meinen Plaudereien.“ Mit einem gestochen scharfen Blick schaute Parker in die Menschenmenge. „ Du willst uns woll veräppeln, wa?“ entrüstete sich einer der jugendlichen Farmer, welche alle in einfachen, sackartigen Gewändern gekleidet waren. „Dir wärn wir zeigen, dass de dir da andre suchen musst!“ Und mit einem Fingerwink sprangen er und zwei weiteren Jungen auf den Butler zu, der wie eh und je korrekt gekleidet war: von der Melone, über einen länglichen Covercoat, bis zu Handschuhen. Dazu am linken Unterarm seinen Universal-Regenschirm hängend, das perfekte Butlerkostüm. Während der erste Angreifer durch seine eigene Geschwindigkeit weiterstolperte, ließ der so urplötzlich beiseite getretene Butler den Griff des Regenschirms gegen die Stirn des zweiten Jungen donnern, welcher daraufhin ohnmächtig zu Boden sank. Das lag wohl daran, dass eben jener Bambusgriff bleigefüllt war und so recht hart anschlug! Das Zögern des dritten Angreifers – die Überraschung der drohenden Niederlage ließ ihn wohl stocken – brachte ihm auch eine schmerzliche Bekanntschaft mit dem Griff ein, worauf er sich ebenfalls niederlegte. Der erste Angeifer hatte allerdings die Sekunden genutzt und sprang dem Butler nun auf den Rücken. Allerdings ging seine stürmische Reise direkt weiter in den Dreck, denn Parker war mit Judoüberwürfen bestens vertraut. Die Flinkheit des Jugendlichen mochte einige überraschen, auch Parker lupfte anerkennend seine Melone, als der Bursche direkt wieder aufsprang, dabei allerdings mit dem Kopf zu nahe an die stahlgefütterte Hauptbedeckung kam und ebenfalls in eine Ohnmacht und damit zu Boden fiel! „ Meine Wenigkeit erfreut es immer wieder an diesen Leibesübungen, wo ich doch gerade eine längere Tiefschlafperiode hinter mich gebracht habe! Doch sollten wir uns den wichtigeren Dingen widmen“, sprach Josuah Parker in einem fast gelangweilten Ton und wandte sich zur Scheune. „ Es gibt immerhin Aufklärungsbedarf, wie mir scheint. Denn der arme Schaffensgenosse wurde ja offensichtlich ermordet!“ „WAAAS?“ Erstaunen und Empörung machte sich breit. Schnell eilten einige der Farmer in die Scheune, lösten den Aufgeknüpften vom Scheunenbalken und betteten ihn auf einige Strohballen. „Mister Pakka, wie kommen sie nur darauf?“, fragte der augenscheinliche Arzt dieser Gemeinde; unverkennbar – wenn auch total verschmutz und verkommen – trug er einen klassischen alten Arztkittel, während dieser neben dem Butler in die Scheune schritt. Die kleine Auseinandersetzung schien vergessen und Parker lag nun offensichtlich hoch im Ansehen der Farmer. Viele dieser wuselten hinter ihm her. „Mister P-A-R-K-E-R, um genau zu sein… Nun ja, wenn der beiliegende Schemel nun wirklich die …hmm.. ‚Abschussrampe ins Jenseits’ des Toten gewesen sein soll, dann wäre dieser niemals mit seinem Kopf in die Schlinge gekommen. Der Schemel ist schlicht und ergreifend zu klein!“ erklärte der Butler den ungläubig dreinblickenden Farmerleuten und beugte sich in aller Form und nötigen Würde zu Leiche hinunter. „Mit einigen weiteren Informationen der gesamten hiesigen Gemeinde neige ich zu glauben, dass der Täter gefasst werden sollte“ sprach der Butler, nachdem er nickend den Leichnam inspiziert hatte. Dann wandte er sich an den Schiif. „Würde es großen Aufwand bereiten ein Massenverhör zu arrangieren?“.

Der Nachmittag neigte sich nun langsam dem Ende, als Josuah Parker die fast drei Dutzend Mitglieder der Gemeinde verhört hatte und dabei geduldig mehrere dubiose Lebensläufe in seinen Ohren ertragen mußte, welche allerdings keinerlei sachdienliche Hinweise auf den Mordfall beinhalteten. Trotzdem blickte er zufrieden in die Gemeinde, die sich nun komplett in dem recht verfallenen Saal drängte, nachdem sie in diesem zuvor alle einzeln dem Butler Rede und Antwort gestanden hatten. Auch der Dokk war anwesend, den Parker um eine genaue Autopsie an Herrys Leichnam gebeten hatte. Es lag dem Butler zwar nicht, wie er nun kerzengerade am Tisch saß und die komplette Gemeinde im Halbkreis vor ihm hockte oder mangels Sitzgelegenheit stand, aber wenn es der Auflösung eines Verbrechens diente, dann nahm der Butler auch diese Bürde auf sich. Er richtete die beiden einzigen Gegenstände auf dem Tisch – ein längliches Röhrchen sowie ein schwarzes Etui – geometrisch aus und erhob sich ruckartig. „Aus Zeitgründen vermag ich nicht lange herum zu plaudern. Ich möchte noch mal von ihnen bestätigt bekommen, Schiif Schekk…“ und er nickte diesem dabei zu, „… dass sie den leider verstorbenen Herry heute früh in Richtung Scheune gehen sehen haben, wie sie in unserer Unterhaltung vorhin erwähnten.“ Der Anführer straffte sich sitzend auf und sagte laut: „Das ist richtig!“ Murmelnd nahm das die Gemeinde hin. Parker wandte sich an den Dokk: „Was hat ihre Autopsie für einen Todeszeitpunkt ergeben?“ „Was isn ne Aupotspie?“ rief einer der Zuhörer dazwischen. „Das ist eine Untersuchung eines Toten.“ stellte der Dokk fest, worauf er zu Hören bekam: „Was soll das, wenner doch schon tot is?“ „Man kann zum Beispiel feststellen zu welcher Zeit jemand gestorben ist. Und bei Herry würde ich sagen, dass er etwa gestern Nachmittag getötet wurde!“ Rumoren wurde laut: „Aba der Schiif hat Herry doch heute morgen gesehen!“ brüllte jemand in den Raum. „Ich darf noch anmerken, dass die Gemahlin des Verstorbenen diesen ebenfalls heute Morgen gesehen haben will. Er winkte ihr zu, als er mit einer Schubkarre zum Tageswerk unterwegs war. Hielt er dafür extra an, werte Selly?“ fragte der Butler die seitlich vor ihm sitzende Witwe. „Nein, er war in Eile!“ „Nun ja, ein alter Mann wie ich vermag es nicht das Gleichgewicht einer Schubkarre zu halten, wenn ich eine Hand zum Gruße hebt. Aber wer beherrscht diese Kunst schon, zumal die Schubkarre ja mit Gerätschaften beladen war, wie sie mir heute Mittag noch erzählten! Ich muss daher diesen Tathergang anzweifeln! Vielmehr stellte er sich doch so dar: Gestern Mittag führte ein heimliches Liebespaar einen grauenvollen Mordplan durch und erschlugen den Ehemann der Liebhaberin hinterrücks; nämlich Herry. Eine mittelgroße, tiefe und schon getrocknete Wunde am Schädel des Toten beweist die Tatzeit und führte übrigens zur wahren Todesursache.

Können sie das so bestätigen, Dokk?“ wandte der Butler sich an den Gemeindearzt. „ Äh, in der Tat!“ antwortete dieser kurz und knapp. „Und in der Zeit, als unser Liebespaar den Verstorbenen heute Morgen gesehen haben will, haben sie diesen tatsächlich in der Scheune aufgehängt, um sich danach wieder in ihre Häuser zurück zu schleichen um hinterher ‚zufällig’ auf die Leiche zu stoßen! Nur hat der Tote nicht die typischen Würgemale des Stranges eines Erhängten, da der Blutkreislauf schon längere Zeit erlegen war! War es nicht so, Schiif Schekk und Selly?“ Empörung wurde laut und die beiden Angeklagten protestierten vehement, als der Butler nochmals das Wort ergriff: „Und warum töteten sie den armen Herry? Weil die Liebelei in wenigen Wochen höchst wahrscheinlich durch ihr eigenes Erzeugnis auffallen würde: das ungeborene Kind wird kaum dem Verstorbenen ähneln…“ Das schlug ein wie eine Bombe! Wer jetzt noch saß sprang regelrecht auf und tat lauthals seine Meinung kund. Und während Selly heulend zusammenbrach schien Schiff Schekk die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, schubste die vor ihm stehenden Farmer beiseite und flüchtete dem Ausgang entgegen. Womit der Butler wohl gerechnet hatte, denn das Blasrohr schon im Mund jagte er dem Mörder des Farmers Herry einen der Betäubungspfeile, die Parker in dem Etui aufbewahrte, hinterher. Die Hand noch in den Nacken packend brach Schiif Schekk kurz vor der Tür zusammen und grunzte alsbald schnarchend vor sich hin. „Damit erscheint mir diese traurige Angelegenheit aufgeklärt.“, sprach der Butler. „Sie haben im Allgemeinen etwa eine halbe Stunde um den Mörder dingfest zu setzten. Meine bescheidene Wenigkeit ist hier nun auch mehr als überflüssig! Den Damen und Herren wünsche ich noch einen schönen Abend. Ich empfehle mich!“ Und mit leicht gelupfter Melone verschwand der Mann in Schwarz auch schon durch die Tür…bp_kelter3.jpg

Seltener Besuch – Butler Parker in Deutschland und der Schweiz

Posted in Autoren, Romane on 26. November 2010 by tramway1435

2001 veröffentlichte Werner G. Schmidtke im Magazin „Der Romanheft-Sammler“ (Artus-Verlag) einen netten – und wie immer sehr detaillierten – Artikel zu den Abenteuern des Butlers in Deutschland und der Schweiz. Wir geben ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages wieder. Der Artikel wurde mit einer Texterkennungssoftware eingescannt und wurde maschinell und zusätzlich manuell korrekturgelesen. Sollten doch noch kleine Fehler vorhanden sein, bitten wir dies zu entschuldigen (Hinweise gern als Kommentar).

I. Einer unter vielen?

Betrachtet man die Heldenschar des deutschsprachigen Unterhaltungstextes ganz generell – also gewissermassen ohne Einschränkungen dann war Mister Josuah Parker natürlich einer unter vielen. Aber bereits eine thematische Einengung aufs Kriminalgebiet lässt seinen Namen dezent hervorleuchten, und wenn gar die humoristische Variante dem Krimithema hinzugefügt wird, dann dürfte dieser famose Anti-Held ganz nach vorne gerückt sein. Einverstanden? Welche andere Kunstfigur einschlägiger Provenienz sollte ihm denn auch den ersten Rang streitig machen? Nur wenige Begriffe fallen einem dazu ein – Vielleicht «Inspektor Percy Brook» von Autor Hilgendorff; jener fast vergessene «Peppermint» von Walter Fürst; selbstverständlich auch «Pal Wilding» (Dönges und Netsch). Sie alle wiesen zwar – mehr oder weniger intensiv – über ihre Kriminal-Profession hinaus eine Humorbeigabe in ihren Texten aus. doch an Parkersehe Dimensionen reichte keiner heran. Und so beantworten wir uns die Eingangsfrage gleich mal selber: war Butler Parker einer unter vielen? Meinetwegen, aber was für einer!

Bei der Einordnung von Serien-Helden spielt sicher auch deren numerisches Auftreten eine Rolle – und da besitzt Butler Parker ganz starke Karten. Von 1953 bis 1992 erschienen seine Texte, und zwar als Leihbuch, als Taschenbuch und natürlich als Heft Vierzig Jahre Laufzeit ist schon ein stolzes Faktum; wobei unterm letzten Strich mehr als 600 Texte zu registrieren sind. Sehr viele einschlägige Titelfiguren gab es nicht, die diese Zahl überboten haben. Wiederholen wir also ruhig: Josuah Parker einer unter vielen? Von wegen…

Die Einsatzorte des Butlers sind mannigfach gewesen – fast rund um die Erde. Dennoch muss man bei einer allgemeinen Betrachtung die Kernpunkte seines Wirkens fixieren und dies waren Chicago und London. Englischsprachige Gebiete demnach, und nach allem, was die Texte versteckt hergeben, ist Mister Parker denn auch Brite gewesen. In all seinem gespreizt/duldsam/höflich/beharrlich wirkenden Auftreten wäre auch kaum eine andere Nationalität vom Konzept her aufgezogen, ergab die Figur Parker in ihrer Gesamtsicht ein Widerbild des skurril-spleenigen «Englishman» – so wie sie im Buche steht; von Karl May bis sonst wohin. Zwar befand sich Parker als Butler in der Lage eines vermeintlich servilen Domestiken, doch von dort aus dominierte er auf unnachahmliche Weise sowohl Situationen wie Mitspieler.

Wie schon erwähnt: des Butlers Einsatzgebiete umfassten allerlei Weltbereiche; neben Nordamerika und Großbritannien auch Lateinamerika, Afrika, Arabien, und in Europa dann Frankreich, Spanien, Italien, sowie Deutschland und die Schweiz – zu letzterem später mehr. Zunächst jedoch erlebte Josuah Parker seine Abenteuer in Chicago. Dort war er Vertrauter und Kampfgefährte des Anwalts «Mike Rander». In Ablösung ergänzten das Duo zwei nette Damen: «Sue Weston» und «Vivi Carlson». Und Autor Günter Dönges tat gut daran, mit diesen Sekretärinnen das harte Männergeschäft gewissermassen aufzulockern – ein wenig ansehnlich/holde Weiblichkeit muss wohl sein.

Als der Butler dann später seinen Brotgeber wechselte (Nr. 124/125) und sich «Lady Agatha Simpson» anschloss, kam eine dritte junge Dame ins Spiel, nämlich «Kathy Porter» – ihres Zeichens Gesellschafterin der robusten Lady. Dreh- und Angelpunkt der Parker-Abenteuer war nun London, wenngleich es auch jetzt noch diverse «Ausflüge» nach anderswo gab. Mit der hartgesottenen Lady Simpson erhielt Josuah Parker einen ebenbürtigen Dialog-Partner zur Seite, was das skurrile Moment der Texte anging. Wenig später siedelte auch Parkers Ex-Boss Mike Rander von Chicago nach London über, und in der Zusammensetzung «Parker/Simpson Porter/ Rander» – zu welchen sporadisch auch der ehemalige Taschendieb «Horace Pickett» gehörte – bestritt das Komik-Team bis zum Serienschluss seine Erlebnisse. Um hier niemanden zu unterschlagen, sei auch noch der Yard-Beamte «McWarden» erwähnt, der oftmals hilflos vor seinen Fällen stand und zwecks Unterstützung die Lady in deren Londoner Stadthaus aufsuchte. Die gespannte Atmosphäre zwischen Agatha Simpson und McWarden lässt den einschlägig Informierten unwillkürlich an ein anderes Zwist-Paar denken, nämlich «Nero Wolfe/Inspektor Cramer» in den Romanen von Autor Rex Stout. Hier wie dort «rauchte» mitunter die Luft, wenngleich es unbestritten bleibt, dass die Stout-Texte eine deutlich höhere Erzähl- und Gedankenqualität aufweisen.

Dass ein derartig speziell konzipiertes Periodikum im Laufe der Erscheinungsjahre, nein: Jahrzehnte, gewisse Ermüdungsmomente aufweisen muss, ist wahrscheinlich unvermeidlich. Zu offensichtlich wurden allzu deutliche Wiederholungen, welche nur unzureichend per Variation kompensiert werden konnten. Also: droht auch der famosesten Vorlage ein verflixter «Zeit-Tod»? Im Grunde schon, doch dies gilt wohl mehr oder weniger Für den Viel-Leser. jenen Zeitgenossen also, der Ausgabe um Ausgabe die gemeinte Serie konsumierte. Der nur gelegentliche Leser/Käufer des «Parker» mag bis zum Ende seinen Spaß an diesen überdrehten Geschichten gehabt haben und womöglich ihr Ende anno 1992 lebhaft bedauert haben. Und es sei eingestanden: ich selbst – obwohl eher Viel- denn Gelegenheitsleser – gehöre dazu.

Stamm/Haupt/Parade-Autor der «Butler Parker»-Geschichten war Günter Dönges, welcher diese Maer per Leihbuch begann. sie innerhalb der Heftreihe «Bastei-Kriminalroman» fortsetzte, um schließlich im Zauberkreis-Verlag die große Zeit des Butlers zu erleben. Dort – nämlich bei Zauberkreis – erschienen dann auch die vier Taschenbücher dieses Themas, die keineswegs Nachdrucke waren, sondern Exklusivtexte. Hin und wieder war unter den Texten der mittleren Periode auch ein «Fremdtitel» – obwohl als Autor Günter Dönges angegeben war. Erst gegen Ende des Periodikums wurden Fremdautoren auch namentlich angegeben – dies sind z . B. gewesen: Curt H. Wendt; Edmund Diedrichs; Jochen Kobusch; Manfred Wegener. Die beiden ersteren versuchten mehr oder weniger gelungen den Dönges-Ton nachzuempfinden, während Kobusch ein völlig anderes Sprachbild offerierte. Und wieder ein Geständnis meinerseits: es dauerte geraume Lesezeit, bis ich imstande war, die Namen Wendt und Diedrichs von Dönges zu trennen – es hätten ja auch Pseudonyme gewesen sein können. Aber wenn man sich erst einmal eingelesen hat, fällt einem doch jeder «falsche» Zungenschlag auf.

Soviel also hier im Schnelldurchgang zur Statistik der Butler Parker Erzählungen. Denjenigen, welcher mehr wissen möchte zu Thema/Autor/ Gegebenheiten, verweise ich auf das Sonderheft «Günter Dönges», das im Artus- Verlag vor einiger Zeit erschienen ist, und in welchem die Aktivitäten des renommierten Autors in relativer Ausführlichkeit nachgezeichnet sind.

II. – ein alter, müder und relativ verbrauchter Mann

Muss daran erinnert werden, dass wir es beim »Parker» keineswegs mit einer Kriminalserie à la Detektiv zu tun haben? Wir wollen hier nicht sozusagen «…offene Türen einrennen» oder gar «…Eulen gen Athen tragen» – deswegen nur der knappe Hinweis: Josuah Parker himself war anders als die vielen anderen seiner Profession! Nun, da alles vorbei ist, Erinnerung nur noch und Nostalgie, mag man sich überwinden zu der elegischen Einsicht: dieser Butler ist einmalig gewesen! Dazu gehörte vieles, famoses und skurriles Auftreten – auch und vor allem das echt britische Understatement Sein immer wieder vorgebrachtes und geäußertes Geständnis, er sei im Grunde ein «alter, müder und relativ verbrauchter Mann» war gewissermassen Höhepunkt einer Personenbeschreibung, die absolut täuschte und im Grunde das Gegenteil dessen behauptete, was Wirklichkeit war. Selbstverständlich war Josuah Parker weder alt noch müde, und verbraucht schon gar nicht. Wie schon gesagt: Understatement par excellence! Aber als serientypisches Faktum muss gerade dieser kummervolle Satz hervorgehoben werden – der Butler (bzw. sein Autor) hat ihn Mal um Mal in spezifischer Weise angemerkt.

Eigenschaften und Marotten der Titel Figur waren indes nicht von Anfang her im Darstellungsbild vorhanden; jedenfalls nicht in vollem Umfang. Das alles entwickelte sich sozusagen peu ä peu im Verlaufe der Erscheinungsjahre. Gewisse «Waffen» des Butlers wurden verfeinert, umgerüstet, ergänzt, sogar abgeschafft. So «kämpfte» Josuah Parker beispielsweise in der Chicago-Periode – also während der Frühzeit seiner Abenteuer – mit einem scheinbar rostigen Revolver von veritablem Ausmaß sowie den Spezialzigarren, welche entsetzliche «Düfte» entwickelten und angezündet so manchen Widersacher zu Hustenanfällen samt schleunigster Flucht zwangen. Beide «Waffen» gab es später nicht mehr.

Auch sein famoser Regenschinn, der ihm fast immer am Unterarm hing, erfuhr eine Metamorphose: vermochte sein Besitzer zunächst ein dolchartiges Messer aus der Spitze des Wetterdaches schnellen zu lassen, veränderte sich das schließlich zur Abschussvorrichtung von gefiederten Kleinpfeilen, welche mit Betäubungssubstanzen getränkt waren. Übrigens Regendach: an ihm konnte sogar eine Autorentrennung ausgemacht werden. Während nämlich bei Günter Dönges lediglich der Griff «bleigefüttert» gewesen ist, um gegebenenfalls einen Bösewicht einschläfern zu können, waren bei Curt H. Wendt Griff und Schirmspitze auf diese Weise präpariert. Man wird keinen Dönges-Text finden, in welchem auch die Spitze «bleihaltig» war.

Ähnlich «scharfgemacht» hatte Butler Parker auch seine Kopfbedeckung, eine sogenannte Melone. Hier erwies sich sinnigerweise die Krempe als gefährlich, war sie doch stahlverstärkt und konnte als Wurfgeschoss von beachtlicher Wirkung dienen. Wurftechnisch ebenbürtig erwies sich Josuah Parker übrigens seine zweite Herrschaft, die majestätische Dame Agatha Simpson. Ihren «Pompadour», jenen Handbeutel mit dem eingefügten Hufeisen, benutzte die Lady ebenso souverän als Kampfmittel wie ihre gefährlichen Hutnadeln. Gefürchtet waren auch die unversehens verabreichten Ohrfeigen und die derben Fußtritte gegen Gauner-Schienbeine, mittels derer sich Agatha Simpson immer wieder Respekt verschaffte.

Doch zurück zum Butler: als eine seiner wirksamsten Waffen sollte das Katapult nicht übersehen werden. Auf gewisse Weise löste dieses Instrument den rostigen Revolver ab, welcher in der Frühzeit der Butler-Geschichten zur «Bewaffnung» gehört hatte. Und dieses Katapult hatte den Vorteil, absolut lautlos wirken zu können und mit den verschossenen Tonkugeln unterschiedlicher Wirkung für mannigfaltige Verwirrung zu sorgen. Genug, genug hier zur «Kampfbereitschaft» des Butlers samt seiner Herrschaft. Der versierte Leser wird wissen, was gemeint ist und etwaige Versäumnisse unsererseits nach seinem Lese-Wissen ergänzen.

Über allem indes, über dem manieriert/skurril/ungewöhnlichen Verhalten und Agieren des Butler-Teams, schwebte als gewissermaßen unverwechselbare Eigenheit die Sprache des Josuah Parker. Autor Dönges hat sie mehr als einmal als «barock» klassifiziert – und wir möchten dem hier nicht widersprechen. Um zu illustrieren, sei nur ein Beispiel angeführt: war die Situation etwa demgemäß, dass man sagen mußte «Die Lage ist ausweglos», dann lautete des Butlers Kommentar etwa: «Die Lage ist das, was der Volksmund gewöhnlich als ausweglos bezeichnet».

Wie schon angedeutet: diese überaus gestelzt wirkende Ausdrucksweise Josuah Parkers schwebte latent über den Geschichten, war sozusagen Teil ihrer manierierten Eigenheit und hob sie ab vom «normalen» Kriminaltext. Ein Einwand: gewiss, ein Vielleser könnte sich an all das Gesagte gewissermaßen «gewöhnen», es kaum noch richtig wahrnehmen –aber dies wäre dann der Preis für übermäßigen Genuß des «Periodikums». Und so: die verquasten Formulierungen, die fern jeder Logik stattfindenden Ereignisse/Taten – sie machten ihn aus, sie symbolisierten und prägten ihn: den «Parker». Und wer stand im Mittelpunkt all dieser hanebüchenen Abenteuer der ebenso erzählerisch famosen wie gedanklich abstrusen Texte? Richtig geraten: …ein alter, müder und relativ verbrauchter Mann!

III. Ein Mann namens Josuah Parker bei seinen Lesern

Wir haben sie erwähnt und fixiert: die generellen Handlungsorte des Butlers mit zunächst Chicago, später London – dann die mannigfachen «Ausritte» quer durch die Welt. All dies ist richtig und präzise, doch nun wollen wir endlich unserer Titelzeile gerecht werden, nämlich dem Agieren unseres Anti-Helden unter deutschen, bzw. schweizerischen Vorzeichen. Falls ich mich richtig erinnere, hat es fünf Parker-Abenteuer in diesen beiden Ländern gegeben – drei in Deutschland, zwei in der Schweiz. Hinzugefügt muss allerdings werden, dass ich nicht alle einschlägigen Texte gelesen habe, bzw. besitze. Wenn also ein Leser dieser Zeilen um weitere Ausgaben der gemeinten Lesart wissen sollte, wäre ich für kurze Information dankbar.

Angemerkt sei auch noch, dass Josuah Parker bei den Auslandsreisen auf sein privates Vehikel verzichtet hat – jenes umgebaute ehemalige Londoner Taxi, welches zahlreiche «Kunststücke» in sich trug und deswegen auch zuweilen «Trickkiste auf Rädern» genannt wurde. Mittels seinem «hochbeinigem Monstrum» – so ein weiterer nome du guerre – narrte der einfallsreiche Butler immer wieder die Bösewichte und Gauner, die ihm ans Leder wollten. Seltsamerweise besaß Parker dies Gefährt bereits während der Chicago-Periode – also im Frühbereich der Geschichten. Später indes wurde das «Monstrum» nur noch in Großbritannien benutzt. Aber auch hier die Einschränkung: soweit mir bekannt.

Doch jetzt endlich in medias res – zum deutschsprachigen Teil des Parker-Erlebens. Der besseren Übersicht wegen sei die kurze Titelliste vorgeschaltet:

Deutschland

Silber-Krimi 800:

Parker u. der König der Reeperbahn (Hamburg)

Butler Parker 204:

Parker legt den Berggeist lahm (München)

Butler Parker 209:

Parker neckt die Todesnarren (Köln)

Schweiz

Butler Parker 122:

Parker wirft mit Schnee und Dynamit (Kandersteg)

Butler Parker 125:

Parker reizt den Mann im Frack (Locarno)

Alle fünf Titel stammen übrigens vom Original-Autor, also Günter Dönges. Zwischenfrage: was bewog den Verfasser, seinen Paradehelden in diesen Teil Mittel-Europas zu delegieren? Waren es womöglich persönliche Kenntnisse von Örtlichkeiten, vielleicht erworben bei Urlaubsaufenthalten? Auch ein Viel- und Serienschreiber mag zuweilen profitieren von gewissen «Wirklichkeiten» – siehe zu diesem Thema meinen Aufsatz «Was wahr war» in Nr. 21 des DRS. Aber dergleichen Gedanken sind Spekulation, können nicht nachgewiesen werden. Lassen wir sie mal – da ausgesprochen – im Raume des Denkbaren stehen. Und schauen uns ebenso knapp wie konkret ein wenig um im «Innenleben» der avisierten Erzählungen.

Parker und der König der Reeperbahn

Hamburg – Sankt Pauli – Reeperbahn! Begriffe für Amüsement, ja Ausschweifungen – und das weithin bekannt. Das Duo Parker/Rander, serientheoretisch noch in Chicago ansässig, weilt in der Hansestadt, weil der Anwalt dort etwas zu erledigen hat. Der Butler nutzt die Gelegenheit zu einem Bummel ins Rotlichtmilieu rund um die «Große Freiheit». Und Parker kommt in Fahrt, wird von gewissen «Damen» angesprochen, säuft mit einem zwielichtigen Lokalgast, scheut sich schließlich nicht, mit dem «Stier von Altona» – einem abgewrackten Boxer – in den Ring zu steigen. Belustigung ä la St. Pauli – Lokalboxen mit Gewinnversprechen; natürlich nur bei Sieg. Nun also, der Butler schlägt den fetten Exboxer in den Ringstaub, doch die 750 Mark Prämie… die möchte man nicht so gerne zahlen. Man weiß ja, wie das so ist in gewissen Bereichen Hamburgs. Endstation Davidswache, der Leser erfährt, dass Parker etwas Deutsch spricht, sich nicht gerne übers Butler-Ohr hauen lässt und sonst – na ja, lokaltypisches Amüsement eben. Gut nur, dass Miss Vivi Carlson nicht mit von der Hamburger Partie ist, anscheinend blieb sie in Chicago/USA.

Kriminalistische Aspekte gab es auch noch, Waffenschmuggel wird ruchbar, Kommissar Steiner von der Hamburger Kripo mischt mit und zum Schluss beweist der unvergleichliche Butler sein Universal-Talent: er steuert auf der Norderelbe eine Hafenbarkasse souverän zum Ziel. Und so endete das Hamburger Abenteuer mit vollem Erfolg für Parker und seinen Boss Rander.

Parker legt den Berggeist lahm

Vom hohen Norden Deutschlands geht es jetzt ganz nach Süden, gen München, der heimlichen Hauptstadt des Landes. Hier ist der Butler bereits unter den Fittichen der Lady Simpson, demzufolge in Begleitung von Miss Kathy Porter, und auch sein Ex-Boss Mike Rander hat die USA verlassen; ist nun Verwalter des Simpson-Vermögens und außerdem ohne Erröten auf der Spur Miss Porters. Übrigens sehr zur Freude der robusten Lady, welche nichts lieber sähe als eine Verbindung der beiden. Sie nennt diese jetzt bereits zärtlich ihre «Kinder», aber bis zum Ende des Periodikums wird nichts aus ihren Vorstellungen. Soviel hier mal ganz generell vorausgeschickt.

Was das bayerische Abenteuer von Parker & Co angeht, so führte es bald aus München hinaus gen Garmisch-Partenkirchen. Zur Einstimmung allerdings begeben sich Parker und Mylady zum Münchner Oktoberfest, wo die übliche «Bombenstimmung» herrscht. Der Butler erklärt seiner Herrin diskret die Eigenheiten dieser Festivität – und Agatha Simpson ist sogleich begeistert bei der Sache, delektiert sich am süffigen Bayerischen Bier und dirigiert schließlich im Festzelt eine Trachtenkapelle. Eine Mordsgaudi – wie man so sagt. Mylady jedenfalls kann nicht genug bekommen – es gibt ja so viele Bierzelte auf der Wies’n…

Eigentlich wollte die Dame ja auf den Spuren eines gewissen Ludwig II. wandeln, Schlösser besuchen, usw., doch nun überdeckt plötzlich die Gegenwart jene Vergangenheit, denn allenthalben sieht man Plakate mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß – es ist Wahlkampfzeit. Doch auch kriminelle Aktivitäten hält die Gegenwart parat: per Zufall belauscht der Butler ein Gespräch junger Leute, wo von Geldtransport und risikolosem Überfall die Rede ist. So mündet die Bildungsreise der Engländer wieder dort, wo Parker & Co. zu Hause sind: im Abenteuer. Gemeinsam mit dem Münchner Kommissar Leitner geht das Trio Parker/Rander/Porter die Sache an, und auch Lady Simpson vergisst erst einmal die Schlösser-Tour, um aktuelleren Ereignissen nachzuspüren. Die alten Schlösser laufen ja nicht weg…

Parker neckt die Todesnarren

Karneval in Köln, und Lady Simpson hat sich nebst Butler Parker unters närrische Volk gemischt. Die füllige Dame hat sich als Spanierin verkleidet, schunkelt begeistert mit und schlägt mit der Narrenpritsche um sich. Parker an ihrer Seite trägt sein übliches Gewand, also schwarzen Covercoat, dunkle Melone und gerollten Schirm. Und man fällt auf: der Festausschuss naht, um sowohl der Lady wie dem Butler einen Karnevalsorden umzuhängen. Die ehrenwerten Herrschaften sind nämlich der irrigen Meinung, auch Parker hätte sich «verkleidet». Nun gute der Butler fügt sich ins Unvermeidliche -es ist ja Karneval. Und Agatha Simpson ist in ihrem Element; der brodelnde Festsaal animiert sie mächtig.

Dann aber tauchen unvermittelt andere kostümierte Leute auf, und die gehören mitnichten zum rheinischen Karneval. Stichwort hier: Geheimdienste. Es geht also um Dinge, von denen man nicht spricht, welche aber dennoch höchst bedeutend sind – staatspolitisch wichtig, sozusagen. Im Halbdunkel der Spionage treiben der deutsche und auch ausländische Dienste ihr undurchsichtiges Spiel vor dem Hintergrund das Kölner Allotrias. Butler Parker und Lady Simpson sind diesmal allein auf sich gestellt, ohne die übliche Begleitung. Der Showdown findet dann wieder unter karnevalistischen Begleitumständen statt: zwischen schmetternder Musik, kostümierten Narren, dem Straßenfestzug und sonstigem Beiwerk heißt es nun Agenten gegen Agenten – und die beiden britischen Besucher von Köln kommen noch einmal davon. Sie haben einen famosen Karneval erlebt – aber mit Beigeschmack…

Parker wirft mit Schnee lind Dynamit

Urlaub im Schnee! Und dann noch in der Zentralschweiz, genauer gesagt: im idyllischen und weithin bekannten Kandersteg! Das Trio Parker/ Rander/Vivi Carlson ist angereist, hat allen kriminalistischen Ballast daheim in Chicago gelassen und freut sich auf weiße Ferien. Anwalt Mike Rander hat ein Chalet gemietet, idyllisch am Wald gelegen, mit direktem Blick auf den Kurort Kandersteg. Was kann schöner sein?

Aber dann: schon bald begegnet Josuah Parker einem alten Bekannten, der in USA nachweislich Verbindungen zur Cosa nostra hatte, seines unrühmlichen Zeichens ein Spezialist in Sachen «Mord». Da hatte die gnadenlose Vergangenheit das gemeinte Trio doch tatsachlich eingeholt, und das im urlaubsfrohen Schneeparadies!

Wer sollte hier in der sanft-ruhigen Schweiz ermordet werden? Parker lässt diese rhetorische Frage keine Ruhe. Trotz allerlei Ablenkung bei Curling und Skeleton-Abfahrt in der Eisrinne beweist der Butler, dass seine eigentliche Profession die Kriminalistik ist. Und schlussendlich werden die Bösewichte auch dingfest gemacht, vor allem geklärt, dass jener Prinz des Erbes wegen seine Schwester aus dem Wege räumen lassen wollte. Soweit also das berufliche Interesse des Butlers.

Aber Skeleton: wo auf der Welt gibt es das schon, – wenn nicht hier in der Winter-Schweiz? Im Gegensatz zum Rodeln, das bekanntlich seit einiger Zeit olympische Disziplin ist, und wo die Sportler ihre kleinen Schlitten rücklings liegend zu Tal steuern – im Gegensatz also dazu stürzt sich der Skeleton-Fahrer bäuchlings, Kopf voran, in und durch die Eisrinne. Wahrlich ein Todeskommando! Die winzigen Schlitten sind unter dem Körper des Fahrers gar nicht zu sehen.

Ist es ein Wunder, dass Butler Parker sich dieser absoluten Mutprobe stellen möchte? Schließlich: ein Parker muss einfach alles können, und dies nicht nur bezogen auf die diversen Anforderungen der kriminalistischen Wirklichkeit, sondern auch beim Ausüben des angeblich so «gesunden» Sports. Aber der Ehrgeiz eines Josuah Parker kannte kein Pardon – nicht einmal sich selbst gegenüber.

Parker reizt den Mann im Frack

Die Sache spielt in Locarno und Bellinzona, wo man bekanntlich italienisch spricht. Beherrscht Josuah Parker auch diese Sprache? Wir wissen es nicht, es ist auch nicht so wichtig. Erheblich interessanter ist die Tatsache, dass hier zwei Paare aufeinander treffen, welche die Aufklärung kriminalistischer Geheimnisse auf ihre Fahnen geschrieben haben: zum einen Anwalt Mike Rander/Butler Parker, zum anderen Lady Agatha Simpson/Kathy Porter. Erstere noch in Chicago ansässig, letztere aus London, ihrer Majestät Hauptstadt. Wir wollen nicht lange darum herumreden: anlässlich dieses Abenteuers in Locarno/Bellinzona führen die Wege dieser Vier zueinander, verknüpfen und verwirren sich, sind schließlich nicht mehr zu trennen – aus zweimal zwei werden vier, das Quartett wird geboren, das nun und in der Folge noch kaum gezahlte Erlebnisse gemeinsam bestehen sollte. Bis zum bitteren Ende…

Dazu kam noch dies: Butler Parker sollte hinüberwechseln zu Lady Simpson, seinen bisherigen Boss Rander verlassen. Der Wahrheit die Ehre – dies gefiel dem Butler zunächst überhaupt nicht. Zu eigensinnig und geradezu despotisch erschien ihm die englische Lady, die von sich so überzeugt zu sein schien wie Parker seinerseits von sich und seinen Fähigkeiten. Aber der Farbigkeit der Serie zuliebe segneten Autor/Verlag den neuen «Bund» wohl ab, und die Figuren des Periodikums fügten sich in ihr Serien-Schicksal – was blieb ihnen auch übrig?

So kam es – basierend auf diesem Abenteuer in der italienisch gefärbten Schweiz – zur neuen Konstellation: gewissermassen federführend die beiden skurrilen Protagonisten Josuah Parker und Lady Simpson, als Stichwortgeber die Gesellschafterin/Sekretärin Kathy Porter sowie Anwalt Mike Rander. Letzterer hatte schon bald nach der «Vereinigung» seine Praxis in Chicago aufgegeben und war übergesiedelt nach London. Hatte die entzückende Kathy bei diesem Entschluss eine entscheidende Rolle gespielt? Auch dies wissen wir nicht, nehmen es jedoch hier mal an.

Soviel mal an Generellem zum Thema Veränderungen im Parker-Periodikum. Was nun – und da müssen wir zurückgehen zum Thema des betreffenden Schweiz-Abenteuers-den Inhalt des «hervorragenden» Abenteuers angeht, so handelte es sich um die Machenschaften eines Immobilien- Haies – wie man heutzutage wohl sagt. Fast überflüssig, zu erwähnen, dass jener mit seinen Absichten kaum Chancen hatte gegen die vereinte «Schlagkraft» des neuen Quartetts. Eine Ausflugsbootfahrt auf dem Lago Maggiore trieb die Dinge voran, und ausnahmsweise hatte Parker sein hochbeiniges Monstrum – eben jenes alte Londoner Taxi – heranbringen lassen. So regelte sich alles auf bewährte Weise: zum Leidwesen der «Bösen», zum Erfolgserlebnis für die vier «Guten». Welcher Leser hätte auch anderes erwartet?

Aber noch einmal erwähnt, festgestellt und der Parker-Chronologie anheimgegeben: in diesem Text, eben dem Titel «Parker reizt den Mann im Frack», passierte jene bemerkenswerte Veränderung im «Innenleben» der Serie – des Butlers Wechsel von Mike Rander zu Lady Simpson und damit eine Aufgabe von Standort Chicago zugunsten London. Ob dies der Reihe gutgetan hat? Das konnten eigentlich nur die Leser entscheiden – ob sie weiter den «Parker» kauften oder nicht. So wie die Dinge liegen, honorierte man wohl diese Entwicklung, noch über Jahre hinweg erschienen die einschlägigen Abenteuer des Butlers – und meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist diese Periode «Parker/Simpson» die skurrilste des gesamten Periodikums gewesen.

IV. Schluss-Bemerkungen

Was bleibt zu sagen? In Anbetracht unser heutigen Thematik, nämlich den Parker-Erlebnissen in Deutschland und der Schweiz, könnte man grundsätzlich nach dem Reiz des «Wirklichen» fragen, sofern dies in einem Periodikum von fiktiver Art überhaupt auftaucht. Sollen wir uns diesem Umstand gewissermassen die Dinge abschließend noch unterziehen? Ja doch? Nun gut, es sei. Lesermeinung ist uns schon immer sozusagen Befehl gewesen.

Vorausschicken wollen wir die Erkenntnis, dass es gewissermassen zwei unterschiedliche Formen von Wirklichkeitsbezug im Unterhaltungstext gegeben hat. Zum einen die oberflächliche Betrachtung, bei der lediglich gravierende Reizpunkte einer Stadt (Landschaft, Gegend) erwähnt und genannt wurden – zum anderen ein oft punktgenaues Eingehen auf gewisse Örtlichkeiten des gemeinten Terrains. Letztere Version findet man z. B. — sofern der jeweilige Autor informiert gewesen ist – bei Serien wie «Tom Shark» und «Harald Harst». Im Falle «Butler Parker» handelte es sich mehr um die erstere Art wenn mich Erinnerung und Wissen um die Dinge nicht täuschen.

Übrigens: einen Wirklichkeitsanspruch besonderer Art erlebte der Leser bei «Jerry Cotton» – der herausgebende Verlag Bastei tat dies sozusagen lauthals kund im Reklamebereich. Alle Straßen, Plätze, usw. in New-York seien präzise der Wahrheit nach geschildert, auch die genannten Entfernungen würden stimmen – deutsche Seeleute auf Landgang hätten dies nachgeprüft. Na wundervoll, muss man konstatieren – als ob es den «Jerry C.» tatsächlich geben würde. Mir persönlich indes war und ist es herzlich egal, ob Cotton/Decker da in exakter Zeit per Jaguar auf dem Broadway unterwegs waren, ob wirklich an der Ecke 42. Straße ein Drugstore (Tankstelle, etc.) vorhanden war, ob das geschilderte Theater tatsächlich so hieß. Gut, da hatte also Autor X (meist wohl Höber) per Stadtplan geschrieben. Doch was sollte das alles, welchen Unterhaltungswert wollte man projizieren? War es nicht – viel wichtiger, wenn der Text wenigstens lesbar gewesen ist – in guten Momenten sogar ausgezeichnet? Alles andere wirkt aufgepfropft, überflüssig, unnötig.

Eigentlich dürfte auch jedes Lokalkolorit mit präzisem Hintergrundcharakter nur für jenen Leser womöglich interessant sein, der die gemeinte Stadt selber kennt. Der weiß, wovon gerade gesprochen wird, was richtig oder umgekehrt geschildert wurde. Für einen Berliner Konsumenten waren das vielleicht die erwähnten Serien «Shark/Harst» – aber schon ein Leser von dergleichen Schriften in Hamburg/Köln/München/Wien/ Zürich/Bern ua. mochte dafür nur ein Achselzucken übrig haben.

Genug der Abschweifung. Abschließend noch einige Gedanken zu «Butler Parker» und dessen Spezifitäten. Außer seinen diversen «Kampfmitteln» dürfte die absolute Höflichkeit in Erinnerung geblieben sein, deren sich der Butler befleißigte. Ob Freund oder Feind: Josuah Parker fiel nie aus (seiner) Rolle, seine Selbstbeherrschung war gewissermaßen «übermenschlich». Dass dabei zuweilen die Ironie unüberhörbar gewesen ist, gehörte einfach zum vorsätzlich skurrilen Figurenbild. Und natürlich Parkers Ausdrucksweise an sich – dermaßen verdreht und manieriert, dass so mancher seiner Gesprächspartner erst einmal überlegen musste, was überhaupt gesagt worden war. Autor Dönges nannte diese Parker-Sprache zuweilen «barock», etwa im Sinne von überladen gemeint – dem wollen wir hier nicht widersprechen. Und als zusätzliches Moment von gewaltlosem Agieren lüftete der Butler seine dunkle Melone, deutete dann eine knappe Verbeugung an. Dass mit solchem Verhalten eine verärgerte Reaktion förmlich provoziert wurde, ist leicht vorstellbar, gehörte als Grundelement zum unwirklichen Konzept. Jener Grundidee also, welche den Parker-Geschichten verordnet worden war, und die wohl ihresgleichen suchte im weiten Feld der deutschsprachigen Unterhaltungsliteratur.

Aber wie das so ist, wenn Skurrilitäten angestrebt und benutzt werden: der (die) Autor(en) waren bestrebt, immer noch ein Glanzlicht draufzusetzen. Bei den Dönges-Texten blieb dies mehr oder weniger im Rahmen dessen, was sich sozusagen im Laufe der Erscheinungsjahre angesammelt hatte. Andere Schreiber – vor allem Wendt – bemächtigten sich der Dönges-Vorgabe, schrieben sich rasch ein, so dass hier kein großer Bruch im Erzählerischen entstand. Wenn nur nicht die zuweilen auftauchenden «Fehl-Vokabeln» gewesen wären. Der versierte Leser wusste: so hätte Dönges nie formuliert. Im Großen ganzen aber konnten Verlag und Leser mit den diversen «Ersatzleuten» zufrieden sein. Wobei in dieser Sicht die Autoren Wendt und Diedrichs gemeint sind.

Ein Novum seitens Curt H. Wendt muss allerdings noch einschlägig erwähnt werden – es gehört zum angedeuteten Bereich des «Draufsetzens» im Bereich der Butler-Sprache. Vorausgeschickt sei, dass Autor Dönges die Redeweise seines Parkers immer mehr verfeinert hatte, dessen skurril-pointiertes Kauderwelsch sozusagen «salonfähig» machte. Ungeachtet dessen gelang es Wendt, die Dinge in dieser Richtung auf die Spitze zu treiben. Er «verbot» dem Butler praktisch das Wort «ich»! Hatte es beispielsweise bei Dönges noch geheißen: «ich möchte zu bedenken geben, dass mir eine solche Reaktion absolut fremd ist», dann steigerte Wendt das zu: «man möchte zu bedenken geben, dass einem eine solche Reaktion absolut fremd ist».

Der Wortsalat ä la Parker war um eine verquaste Nuance erweitert worden. Diedrichs und sogar Dönges selber schlössen sich dieser Steigerung – welche auf den Schlussteil der Serie zu beziehen ist – an, übernahmen also jenes «man/einem» anstelle von «ich/mir». Nur gelegentlich rutschte Günter Dönges dann noch das alte «ich» heraus.

All das skurril/ungewöhnlich/verquast/ überdreht angelegte Wortgeklingel des Butlers Josuah Parker war natürlicher Weise beschränkt auf den Dialogbereich der Geschichten. Nur in dieser Konstellation konnten dergleichen Absonderlichkeiten in vollem Umfang zur Geltung kommen. Beschreibende Passagen waren da arg gehandicapt – von wenigen Stereotyp-Situationen einmal abgesehen. Doch weil der «Parker» ganz überwiegend vom Dialog «lebte», fielen vergleichsweise nüchterne Sequenzen kaum auf. Es gab sie ja so selten. Eine dieser «wortarmen» Parker-Geschichten – ich erinnere mich noch gut daran – ist der Text «Parkers Ferien mit den Ratten» (Nr. 155). Hier verbringt der Butler eine Urlaubszeit fern seiner üblichen Umgebung, weit weg von Lady Simpson, von Kathy Porter und Mike Rander, fern auch vom altvertrauten Stadthaus der Lady in London/Shepherds Market. Gewiss, Abenteuer abseits der britischen Metropole (oder früher: abseits Chicagos) hatte es viele gegeben – nicht zuletzt jene, von denen wir eingangs berichtet haben – aber Parker sozusagen im Alleingang und auf sich gestellt, mit wenig Gelegenheit, seine spezielle Sprache anzubringen: das war mal etwas anderes. Konnte die imaginäre Gleichung «Parker minus X (alles Gewohnte und Vertraute) = unverändertes Vergnügen» aufgehen? Ich fürchte, bzw. meine: ja doch! Denn zu viel von dem, was den Butler prägte, ihn ausmachte, nahm der Leser unwillkürlich mit ins vergleichsweise redearme Urlaubsvergnügen. Man wusste ja, wie Parker zu schwadronieren vermochte, wenn er nur die Gelegenheit dazu erhielt. Und so: auch ein schweigsamer Butler blieb immer noch himself. Um zu illustrieren, sei jenes etwas «andere» Parker-Abenteuer hier kurz und knapp skizziert:

Parkers Ferien mit den Ratten

Wie gesagt, der Butler hat Ferien und möchte diese auf seine Weise verbringen. Besonders von der doch recht dominanten Lady Simpson will er sich wenigstens zwei Wochen lang «erholen». Die Dame hatte zwar gegrollt, wollte mit von der Partie sein, doch Parker war hart geblieben. Ein Hausboot hatte er sich für diese Zeit gemietet; nicht klein und durchaus komfortabel. Irgendwo in den Norfolk Broads mit ihren verzweigten Flusslaufen – nordöstlich von London und nahe der Nordseeküste – möchte der Butler ausspannen, regenerieren; bei Wasserwandern samt Nichts tun. Wundervolles Vorhaben! Auch ein Parker braucht mal eine Pause…

Und dann kommt ihm doch etwas in die Quere – nichts Weltbewegendes, mehr Störendes. Der Butler ist irgendwie ungehalten, wehrt ab, so gut es halt geht und… schippert weiter. Seine kostbaren Ferien sollen ihm auf keinen Fall «versaut» werden. Denn in der Ferne warten ja Shepherds Market und Mylady, auch Kathy Porter nebst seinem Altboss Rander – ergo das ganze Butler-Leben; wahrscheinlich voller neuer Abenteuer und Erlebnisse. Zunächst jedoch braucht Parker nichts als Ruhe; keineswegs Aufregungen der herkömmlichen Art. Die sollen gefälligst warten…

Und tatsächlich bleibt der Butler bis zur Seite 52 (von 62) allein und sich selbst überlassen. Gewiss, irgendwelche Unregelmäßigkeiten fallen ihm auf, auch absolut Unschönes trägt sich zu – so wird der Butler z. B. niedergeschlagen und gefesselt; ein Novum in seiner Karriere. Dennoch ergibt sich wenig Gelegenheit für ihn, sein hanebüchenes Vokabular anzubringen, und Autor Dönges hat die Chance für lange Beschreibungen ohne Dialog – auch dies ein Novum.

Dann aber, gegen Ende der Geschichte, ist das alles vorbei. Agatha Simpson, die stramme Lady und Wortführerin der Mischpoke, erscheint mit Kathy Porter vor Ort und meint dreist, dass man einen Mann wie Parker doch nicht sich selbst überlassen dürfe. Auch ein gewisser Kriminalfall wurde sozusagen im Handstreich geklärt, und als die Lady dann das Hausboot übernimmt, gar seine Koje kurzerhand annektiert, da weiß Parker mit letzter Sicherheit: sein Urlaub ist perdu!

Das also war er: unser Bericht von Josuah Parkers «Besuchen» in Deutschland und der Schweiz – ergänzt von einem Hinweis auf ein etwas «anderes» Butler-Abenteuer voller Urlaubs-Duft. Gerade bei langlebigen Serien voller Konzept-Zwängen war/ist es ja zuweilen ganz erfrischend, die Helden auf Pfaden zu erleben, die noch nicht allzu «ausgetreten» sind. Man weiß bekanntlich um die Wirkungen von «frischem Blut» – und sei es nur von gedanklicher Art. Vor diesem Hintergrund: schade, dass das Parker-Team nicht auch mal in Berlin weilte — das hätte dem hier federführenden Berichterstatter als eingeborenem Reichshauptstädter womöglich besonderen Spaß gebracht. Hat wohl nicht sollen sein, obgleich der Hauptschreiber des Periodikums, also Günter Dönges, vor Zeiten in Berlin gelebt und gearbeitet hat. Lokale Kenntnisse wären demnach wohl genügend vorhanden gewesen. Und die Ausrede gilt nicht, dass Berlin kein gutes Helden-Pflaster besäße. «Tom Shark» und «Harald Harst» haben es über die Massen bewiesen, von früheren «Besuchern» aus der gemeinten Szene ganz zu schweigen. Waren doch einstige Helden von Rang oder auch weniger Klang zu Stippvisiten an der Spree. «Pinkerton» etwa und «Rolf Karsten», «Wanda von Brannburg» auch, gar «John Kling» in seinen frühen Tagen; und selbst der beste Mann des FBI – ja doch, «Jerry Cotton» mit Namen – weilte zweimal unterm Schatten von Brandenburger Tor und Funkturm. Damals übrigens noch – Berlin-Kenner und Cotton-Autor Höber wusste es, lässt demzufolge posthum grüßen – mit den speziellen Reizbegriffen Sektorengrenze und Ostsektor im übergeordneten Clinch. All dies ist längst vorbei, fast vergessen, die schnellebige Zeit kannte ja nie ein Pardon.

Nur auf olle Parker hat man hier vergeblich gewartet; jedenfalls was die Berliner Schmöker-Spezialisten angeht. Hamburg und Köln und München hat der Butler beehrt, auch Locarno und Kandersteg – vor Berlin aber schreckte er zurück. War es etwa eine britische Scheu vor den derb/konsequenten Grenzpolizisten von der ostdeutschen Lesart? Das mag ich eigentlich nicht annehmen – da hätte der Butler die Szene doch sozusagen spielerisch entschärft, indem er vornehm/distinguiert einen halben Schritt zurücktrat, dezent seine Melone lüftete und überaus höflich fragte:

«Meine Herren Grenzorgane, was wollen Sie nur von einem alten, müden und relativ verbrauchten Mann?»

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Autoren

Posted in Autoren, Romane on 14. November 2010 by tramway1435

Butler Parker verdanken wir Günter Dönges. Er schrieb in den 50er Jahren die ersten Titel unter verschiedenen Pseudonymen: Glenn Larring, Dan Cillingh und schließlich John D. Acton. Viele weitere Romanfiguren entstammen seiner Feder und er schrieb auch diese oftmals unter anderen Künstlernamen.

Im August 2001 verstarb der in Morsbach lebende 77jährige Schriftsteller, Journalist und Politiker. Nur einige Monaten zuvor hat er diese Website zufällig entdeckt und sich über das noch immer bestehende große Interesse an seiner Romanfigur Butler Parker riesig gefreut. So schrieb er uns am 19.3.2001 noch folgende Email:

Lieber Parker-Freund, mit dem Ausdruck tiefsten Respekts meldet sich hiermit Butler Parker, der noch immer nicht gewillt ist, auch nur annähernd zu glauben, daß einer meiner geneigten Freunde sich tatsächlich die Mühe gemacht hat, eine Liste der Parker-Hefte aufzustellen. Herzlichsten Dank…! Mit besten Wünschen und Grüßen Günter Dönges

Die vielen Fragen, die der Webmaster ihm stellte und noch stellen wollte, bleiben nun leider unbeantwortet. Das hier gezeigte Foto erhielten wir freundlicherweise von Wolfgang Dönges, dem Sohn. Im Web findet man weitere Hinweise auf das Schaffen von Günter Dönges:

  • TV-Serie „Polizeifunk ruft“. 52 Folgen à 25 Minuten, NDR, 1966-1970; Buch: Gustav Kampendonk, Günter Dönges; Regie: Hermann Leitner. Polizeifunk ruft trat im NDR die Nachfolge der Serie Hafenpolizei an.
  • Romanreihe „Familie Müller“. Die Serie ist Ende der 70er/ Anfang der 80er Jahre im Zauberkreis-Verlag erschienen. Die Romane erschienen anfangs auch unter dem Pseudonym Julia Wendt.
  • Weitere Pseudonyme: Mac Driving, Vicky Busum (diese Namen wurden allerdings auch von anderen Autoren verwendet!), Jeff Briester, Rolf van Kessel, Jerry Lonsdale, Henri de Vallon, Richard W. Drilling, Chester Gobinal, Mike B. Braster, Jerry Landing, Mickey Gillane, Conny Collins, Stuart Webbs und G. E. Webbs.
  • Mitautor bei den Romanreihen „Dämonenkiller“ (als Gay D. Carson), „Silber-Krimi/Pat Wilding“ (Wilding ist seine Erfindung, die meisten Geschichten aber schrieb Günter Netsch) und auch „Jerry Cotton“.

Ab Heft 285 schrieb Günter Dönges abwechselnd mit einigen weiteren Autoren die Parker-Romane (in Klammern die Anzahl der jeweils herausgegebenen Titel): Stefan Andler (4), Edmund Diedrichs (83), Axel Forell (2), Jochen Kobusch (9), Max Marek (2), Manfred Wegener (11) und Curd H. Wendt (97 – Autor identisch mit Edmund Diedrich) – insgesamt somit 208 Titel von Fremdautoren. Von Günter Dönges sind derzeit 416 Parker-Romanes bekannt (wobei es durchaus möglich ist, daß einige wenige der jüngeren Ausgaben davon doch von anderen stammen). Bei den ganz frühen Ausgaben gibt es noch einige kleine Ungereimtheiten mit einigen Leihbuch-Geschichten. In 2008 endeckten wir durch eine Zuschrift die niederländsiche Butler Parker-Romanheftreihe (siehe unten auf unserer Seite „Titelliste“). Hier ist Günter Dönges der Autor, angegeben wird er allerdings mit John Perkins.bp_kelter3.jpg

Titelbilder

Posted in Romane on 12. Juni 2009 by tramway1435

Die Titelbilder der Butler Parker Romane waren naturgemäß bei jedem Herausgeber unterschiedlich ausgeführt. Anfangs wurden sowohl Zeichungen als auch Fotos verwendet, später dann extra für die Serie angefertigte gemalte Bilder. Bitte erwarten Sie hier keine Komplettübersicht über alle jemals verwendeten Titelbilder der Romanserien. Der Lonati-Fan Matthias Glombik hat dankenswerterweise diverse Titel eingescannt und wir präsentieren Ihnen unten auf dieser Seite 378 Titelbilder als Diashow.

Nachfolgend einige Informationen zum Aussehen der Titel im Wandel der Verlage/Jahre:

  • Leihbücher: hier wurden i.d.R. Photos aus Kinofilmen verwendet (zumeist leicht verfremdet)
  • Bastei: Photos aus Kinofilmen
  • Silber Krimi: wie auch Bastei verwendete der Zauberkreis-Verlag wieder Photos aus Kinofilmen (gewiß war dies damals die preiswerteste Möglichkeit Titelbilder zu machen, da nur ein Veröffentlichungshonorar zu entrichten war)
  • Parker Krimi: als die Parker-Krimis aus der Silber Krimi-Reihe herausgenommen wurden verwendete man anfänglich wieder Photos. Erst nach einer Weile ging man dazu über bei Lonati gezeichnete Titel in Auftrag zu geben
  • Butler Parker: Lonati zeichnete die meisten Titelbilder und auch für die erneuten Auflagen der ersten Hefte ersetzten seine Bilder dann die ursprünglich verwendeten Photos. Auch die Titelbilder der Taschenbücher stammen von Lonati. Nach seinem Tod übernahm ein anderer Künstler (Name bislang nicht bekannt – können Sie hier helfen?) die Aufgabe ab Heft 485. Am auffälligsten ist der Unterschied an der Darstellung von Lady Simpson zu sehen. War Sie bei Lonati, wie von Günter Dönges ja recht deutlich beschrieben, etwas „füllig“, ist sie auf den späteren Titelbildern schlank wie Kathy Porter. Hätte man hier nicht dem Künstler einen Tip geben können? Das Londoner Taxi des Butlers wurde allerdings von keinem der Zeichner richtig wiedergegeben, es gab einfach zu viele verschiedene Typen als Vorlage. Nach Meinung des Webmasters ist das Taxi, das in der TV-Serie gezeigt wird gewiß das passenste Modell
  • Kelter Sammelbände: Es wurden nur die Rechte am Text erworben. Die gemalten Titelbilder stammen von einem weiteren uns bislang noch unbekannten Künstler (nur der Umschlag trägt ein Titelbild, die einzelnen Romane haben kein Titelblatt; es handelt sich hier also um einen kompletten Neudruck, während die Sammel- und Werbebände bei Zauberkreis ja Einzelhefte aus Lagerbeständen waren, deren abgeschnittene Rücken verleimt wurde)
  • niederländische Butler-Parker Romanheftreihe: aus der Zauberkreis-Reihe sind die passenden Titelbilder von Lonati übrnommen worden

Rudolf Sieber-Lonati (Lo) aus Bad Tölz hat z.B. auch die Titelbilder der Romanreihen LARRY BRENT und MACABROS gemalt. Sein gesamter Nachlass wurde vom Blitz-Verlag, Windeck, erworben und dort liegen nun auch alle Urheberrechte. Zahlreiche Butler Parker Titelbilder von R. S. Lonati können dort käuflich erworben werden (ca. Euro 200,00 pro Stück). Anfragen/Angebote richten Sie bitte an den Geschäftsführer Jörg Kaegelmann: kaegelmann@t-online.de. 

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Akteure

Posted in Figuren, Romane on 12. Juni 2009 by tramway1435

parker_and_mylady.jpgBis Heft 123 stand Butler Parker in Diensten des Anwalts Mike Rander aus Chicago und die Kriminalfälle spielten überwiegend in den USA. Dann heuerte Lady Agatha Simpson aus London den Butler an. Mike Rander siedelte später ebenfalls in das Vereinigte Königreich über und unterstützt die Privatdetektivin und den Butler fortan im Kampf gegen die Ganoven. Nur selten hat der (mittlerweile verstorbene) langjährige Haus- und Hofzeichner R.S. Lonati die Hauptpersonen so gezeichnet, daß man ihre Gesichter sehen konnte – hier eine der wenigen Gelegenheiten (Titel BP159 Mylady düpiert die Gangster):

Und nun einige Informationen zu den Akteuren, den Hauptdarstellern in den Butler Parker Romanen:

Butler Parker. Mein Name ist Parker…. Josuah Parker. Meines Zeichens Butler. So stellt sich Parker gern selbst vor. Er ist ein Mann ohne bestimmtes Alter und verkörpert den Urtyp des hochherrschaftlichen englischen Butlers: stets korrekt gekleidet und in jeder Situation die Würde wahrend. Ein Amateurdetektiv aus Überzeugung, doch allen Profidetektiven und Polizisten haushoch überlegen. Josuah Parker verfügt über zahlreiche „Werkzeuge“, die er immer dabei hat und die somit jederzeit in brenzlichen Situationen zum Einsatz kommen können. Hier nur eine kleine Auswahl: Universal-Regenschirm – der altväterlich aussehende Regenschirm ist im Grunde nichts anderes als ein Präzisions-Blasrohr. Mittels Preßluft können Geschosse verschiedener Art (zumeist buntgefiederte Pfeile) abgefeuert werden. Der Schirmstock besitzt eine Stahlzwinge, deren stumpfes Ende abgeklappt werden kann, um die Blasrohrmündung freizugeben. Ist die Schutzkappe umgelegt, wird zugleich ein ungemein spitzer Stahldorn seitlich der Mündung freigelegt, mit dem Gegner aller Art „gekitzelt“ werden können. Der bleigefütterte Griff ist zudem ein vorzügliches Schlaginstrument. Die mit Stahlblech gefütterte Melone des Butlers fängt so manchen harten Schlag ab und kann auch als Diskus eingesetzt werden (die Stahlkrempe sorgt hier für die entsprechende Wirkung). Zahlreiche Patentkugelschreiber und eine Hochleistungszwille mit variantenreicher Munition runden die Sammlung ab. Mehr ein Hobby für den Butler sind seine schwarzen Torpedos. Hier handelt es sich um für ihn speziell angefertigte Zigarren, deren eigenwillige Tabakmischung Mensch und Tier unfreiwillig in die Flucht schlägt. Parker kann dies gar nicht verstehen, er empfindet den Geruch nämlich als reinen Genuß. Die Trickkiste auf Rädern, wie Parkers altertümliches hochbeiniges Monstrum auch genannt wird, ist ein schon vor Jahrzehnten ausgemustertes ehemaliges Londoner Taxi. Man sieht dem recht altersschwach erscheinendem Fahrzeug nicht an, welche seltsamen die Karosserie verbirgt (dazu hier nur folgender Hinweis: James Bond würde neudisch werden).

Lady Agatha Simpson, Witwe von Lord John Simpson und mit Sicherheit älter als sechzig Jahre, macht nicht nur einen sehr rüstigen Eindruck, sie ist es auch. Sie stählt ihre stattliche, walkürenartige Erscheinung mit golfspielen und bogenschießen. Mylady ist groß, strahlt Autorität aus und kann sich Extravaganzen leisten. sie verfügt über ein bemerkenswertes Vermögen, ist mit dem Blut- und Geldadel der Insel verschwistert und verschwägert und sucht, falls nicht vorhanden, Fettnäpfchen, um in sie genußvoll hineinzutreten. Ihre Direktheit und Ungeniertheit löst immer wieder bei Freund und Feind Irritation aus. Sie hält sich für eine begnadete Kriminalistin und hat dem Verbrechen den Kampf angesagt. Mylady ahnt nicht, daß ihr Butler stets seine schützende Hand über sie hält und die anstehenden Fälle für sie löst. Lady Simpson kann sich keine Namen merken, ist extrem geizig, meditiert so oft wie möglich und stärkt ihren Kreislauf gern mit etwas Alkohol. Im Gegensatz zu Ihrem Butler benötigt Lady Agatha keine große Auswahl von „Werkzeugen“. Ihr reicht ein kleiner Handbeutel, ein perlenbestickter Pompadour an langen Lederschnüren. In ihm befindet sich ihr sogenannter Glücksbringer: ein Hufeisen, das von einem stämmigen Brauereipferd stammt.

Kathy Porter ist offiziell noch immer die Sekretärin und Gesellschafterin der Lady Simpson ist etwas dreißig Jahre alt. Sie ist mittelgroß, schlank, hat kupferrotes Haar und ist von bemerkenswerter Schönheit. Ihre ein wenig schräg gestellten Mandelaugen und die hohen Wagenknochen verleihen ihr einen Hauch von Exotik. Man sieht ihr nicht an, daß sie eine geschulte Einzelkämpferin ist, die sich in allen Sparten der fernöstlichen Selbstverteidigung bestens auskennt und sich blitzschnell in eine geschmeidige Pantherkatze verwandeln kann. Mittlerweile lebt Sie mit Mike Rander zusammen, für den sie in dessen Anwaltskanzlei tätig ist. Viele Jahre hat Lady Simpson nachdrücklich daran gearbeitet, die „beiden Kinder“ zusammenzubringen.

Mike Rander fungiert als Anwalt und Vermögensverwalter der Lady Simpson. Er kann hart und präzise zulangen, wenn es die Lage erfordert. Er kleidet sich sportlich-elegant und bringt seine Gegner dazu, ihn immer wieder zu unterschätzen. Er ist um die vierzig Jahre alt. Schon in Chicago bildete er mit Josuah Parker ein unschlagbares Team.

Chief-Superintendent Mc Warden leitet im Yard ein Sonderdezernat, das sich mit dem organisierten Verbrechen befaßt. Er ist ein fähiger Kriminalist, den es immer wieder nach Shepherd’s Market zieht. Er schätzt die mehr als unkonventionelle Art der Lady Simpson, deren finanzielle Mittel es ihr erlauben, Verbrecher auch über Landesgrenzen hinweg zu verfolgen. Wo er auf dem Dienstweg zum Beispiel einen Hubschrauber beantragen muß, miete die ältere Dame sich solch ein Fluggerät innerhalb kürzester Zeit. McWarden holt sich vor allen dingen immer wieder den Rat des Butlers ein, wenn er es mit einem komplizierten Fall zu tun hat. Wie der Chief-Superintendent es ausdrückt, vermag Parker „um Ecken herum“ zu denken. Das Improvisationstalent des Butlers hält der bullig aussehende Beamte, der fünfundfünfzig Jahre zählen mag, für einmalig. Solch eigenwilligen Methoden nötigen ihm immer wieder Bewunderung ab. Er genießt es bei Lady Simpson zur Tee- oder Essenszeit aufzutauchen, gerade weil er die Geiz grenzenden Sparsamkeit der Lady zur Genüge kennt…

Horace Pickett war vor Jahren noch ein Taschendieb, bis er einmal versehentlich in die Brusttasche eines Mafioso gegriffen hatte. Parker hat ihm damals das Leben gerettet und ihn auf den Pfad der Tugend zurückgebracht. Seitdem steht Horace Pickett auf der Seite des Gesetzes und arbeitet gelegentlich für das Paar aus Shepherd’s Market. Er ist ein erstklassiger Observierer und verfügte über viele Bekannte und Freunde (aus seinem ehemaligen Milieu), die ihm dabei helfen. Horace Pickett präsentiert sich als etwas Sechzigjähriger, dessen straffe Haltung an die eines pensionierten Offiziers erinnert. Er hofft regelmäßig darauf, wieder einmal zum Tee bei Lady Simpson eingeladen zu werden…

Das „Butler Parker“-Photo auf den frühen Zauberkreis Ausgaben zeigt übrigens Ernest Borgnine in dem Film „Zahl oder stirb!“, der mit Butler Parker nichts zu tun hat. Es war der Titel des SK 402 (der ersten Butler Parker-Ausgabe in dieser Reihe). Zu den frühen BP-Heften paßt der hier auch nicht mehr ganz junge Borgnine als Butler Parker ganz gut. Der Kelter-Verlag hat sich für sein Butler-Logo gewiß von diesem Photo inspirieren lassen.bp_kelter3.jpg

Romane

Posted in Romane on 12. Juni 2009 by tramway1435

bp052.jpgEs ist schon eine kleine Ewigkeit her, daß die Butler Parker Kriminalromane von Günter Dönges im Zauberkreis-Verlag erschienen sind.

Angefangen hat aber alles Anfang der 50er Jahre mit einigen Titeln bei den Verlagen Andra, Hallberg, Rekord und Saba unter dem Pseudonym Glenn Larring (teilweise auch unter John D. Acton). Diese Romane erschienen als gebundene Leihbücher. Bei Bastei folgten später 29 Bastei Kriminal-Romane unter dem Pseudonym Glenn Larring und Dan Cillingh (überwiegend Wiederauflagen der Leihbuchromane, aber mit anderem Titel).

Bei Zauberkreis ging es erst Ende der 50er Jahre los und zwar als Teil der Silber Kriminal-Reihe. Verschiedene Autoren schrieben hier und Günter Dönges (als John D. Acton) konnte seine Butler-Parker-Stories zu einer eigenen Serie ausbauen. Der Silber-Krimi war bald nur eine der vielen Romanreihen bei Zauberkreis und so geschah es, daß man eines Tages Butler Parker als eigene Titelreihe ganz neu herausbrachte. Als SK sind auch die Basteiromane erneut erschienen, i.d.R. wieder mit abweichendem Titel.

Nachdem fast alle alten Silber-Titel neu aufgelegt waren, ging es weiter mit dem „Erstdruck (später wurde diese Reihe umgetauft in Erstauflage)“ neuer Geschichten. In einer dritten Auflage wurde schließlich die ersten Krimis erneut dem Publikum bzw. der nächsten Generation von Lesern vorgestellt. Später erschienen einige der „Erstausgaben“ dann auch noch als „Auslese“ und viele der jüngeren Hefte findet man zudem in unzähligen „Sammel- und Werbebänden“. Ende der 80er Jahre erschienen dann sogar noch 4 „Taschenbücher“. 3 Romane in der Taschenbuchreihe sind zuvor nie als Heft erschienen!

Hier der Versuch einer Chronologie der diversen Butler Parker Romane:

1.) Hallberg-Verlag: Chicago Roman (Glenn Larring) ab 1953 – 6 Titel bekannt *

2a.) Andra-Verlag: -ohne Serientitel- (Glenn Larring) nach 1953 – 3 Titel bekannt *

2b.) Rekord-Verlag: -ohne Serientitel- (John D. Acton) nach 1953 – 3 Titel bekannt *

2c.) Saba-Verlag: -ohne Serientitel- (Glenn Larring) nach 1953 – 2 Titel bekannt *

3.) Bastei-Verlag: Bastei Kriminal-Roman (Glenn Larring & Dan Cillingh) ab 1957 – 29 Hefte (Nr. 214 … 421)

4.) Zauberkreis-Verlag: Silber-Krimi (John D. Acton) ab ca. 1960 – 132 Hefte (Nr. 402 … 972)

5.) Zauberkreis-Verlag: Z Exklusiv / Silber-Krimi Exklusiv (John D. Acton) ab 1965 – 5 Hefte (Nr. 8,12,33,113,135)

6.) Zauberkreis-Verlag: Parker-Krimi = Neuauflage (John D. Acton) ab 1969 – 61 Hefte (Nr. 1-61)

7.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = Neuauflage/2.Auflage (John D. Acton & Günter Dönges) ca. 1969 – 1985 (Nr. 62-ca. 236)

8.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = Erstdruck/Erstauflage (G. Dönges ab Heft 285 auch Co-Autoren) 1972-1992 (Nr. 119-589) **

9.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = 3. Auflage/Auslese (G. Dönges) 1983-1989 (Nr. 1-72 und Auslese ab 73)

10a.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = Sammelband (G. Dönges) (Umfang nicht bekannt)

10b.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = Werbeband (G. Dönges und Co-Autoren) (Umfang nicht bekannt)

10c.) Van Ditmar-Verlag: Butler Parker  – Lizenzausgabe in niederländischer Sprache (John Perkins) (Umfang nicht bekannt)

11.) Zauberkreis-Verlag: Butler Parker = Taschenbuch (G. Dönges) 80er Jahre – 4 Bücher (Nr. 42-45 ***)

12.) Kelter-Verlag: Butler Parker Sammelband (G. Dönges und Co-Autoren) (Umfang nicht bekannt)

13.) Quint-Verlag: Krimi Romane int. Spitzenautoren (Sammelband ****) – Butler Parker (G. Dönges und Co-Autoren) (Umfang nicht bekannt)

14.) Kelter-Verlag: Butler Parker = Neuauflage der früher in Sammelbänden herausgegebenen Titel (die Namen der Titel wurden allerdings abgeändert) ab 2015 – auch als eBook herausgebracht

* = gem. Werner G. Schmidtke hat G. Dönges nur 4 der Geschichten geschrieben, die weiteren stammen von Günters Bruder Helmut (auch der/die Titel im Iltis-Verlag)

** = Zauberkreis wurde 1985 übernommen von der Verlagsunion Pabel/Moewig

*** = Taschenbuch 42 ist eine Neuauflage des Romanheftes 235, die anderen 3 TB’s enthalten neue Geschichten

**** = Sammelbandausgabe auch mit Romantiteln anderer Pabel-Hefte (z.B. Kommmissar X)

Unter dem Pseudonym Glenn Larring erschienen auch die beiden Silber-Kriminal-Romane 205 (Gift aus der Tube) und 215 (Scharf auf Diamanten). Wahrscheinlich handelt es sich hier um die zwei Romane von Günter Dönges Bruder Helmut und es sind Neuauflagen der bei Hallberg erschienen Leihbücher aus der Chicago-Roman-Reihe. Der Held dieser Ausgaben ist der Rechtsanwalt Dick Barney aus Chicago. Ob nicht Günter Dönges diesen Charakter mittels Zugabe eines Butlers später einfach weiterentwickelt hat? Günter Dönges schrieb zu dieser Zeit übrgens unter dem Pseudonym Rolf van Kessel etliche Silber Krimis.

Die Reihenfolge der Ausgaben im Zauberkreis-Verlag kann man nur als chaotisch bezeichnen: nicht alle als Silber-Krimi erschienen Titel sind auch später als Parker-Krimi mit neuer Heftnummer erschienen. Die anderen wurden dann anfangs in einer scheinbar willkürlichen Reihenfolge neu herausgebracht. Die Zauberkreis Exklusiv-Titel waren eine eigene Reihe und im Prinzip frühe Ausgaben von Taschenbüchern (wenn auch im Heftformat) und beinhalteten manchmal zwei Romane.

Um die Romanreihe noch erfolgreicher und wohl auch profitabler zu machen, wurde ab Titel 285 die Erscheinungsfrequenz erhöht. Hierzu wurde eine Reihe weiterer Autoren verpflichtet. Warum wurde die Reihe nach Titel 589 so plötzlich eingestellt? Zauberkreis wurde nach der Übernahme durch Pabel/Moewig 1985 nur noch als Abteilung geführt. Nach dem Unfalltod des zuständigen Redakteurs 1986 wurden dann fast alle ehemaligen Zauberkreis-Serien eingestellt. Gewiß war hierfür auch die fehlende Rentabilität vieler der Romanreihen verantwortlich. Ob Butler Parker für den Verlag ein finanzieller Erfolg war wissen wir nicht, wahrscheinlich aber nicht, sonst wäre die Reihe wohl fortgesetzt worden.

Quint Bücher hat wohl umfangreiche Restbestände von Pabel-Krimis aufgekauft und eigene Sammelbände damit vertrieben. Vor wenigen Jahren wurden vom Kelter Verlag die ersten Butler Parker Abenteuer erneut als Sammelbände mit je 3 Romanen herausgebracht. Hierbei verwendete man ganz neue Titelbilder (nur auf dem Außenumschlag), denn scheinbar wurde nur die Rechte am Text erworben. Für den Sammler gibt es somit genügend Möglichkeiten, die vielen Parker-Abenteuer zu sammeln, wobei die frühen Ausgaben bereits sehr rar sind und entsprechend viel Geld kosten.

Hier noch eine kurze Leseprobe aus einem sehr frühen Heft (Bastei 284 von 1956) – Butler Parker wird energisch

Die Tür zu Jane Raltons Zimmerflucht stand weit auf.

Vor dem Eingang drängten sich einige Leutchen herum. Mike Rander erschien gerade und verschaffte sich Platz. Als er Butler Parker sah, winkte er ihn zu sich heran. Gemeinsam betraten sie den Raum, in dem sich bereits der alte Plonders und die beiden angeblichen Privatdetektive befanden.

Miss Ralton saß in einem Sessel. Sie schluchzte und tupfte sich die Tränen mit einem Spitzentaschentuch aus den Augenwinkeln.

Was ist passiert? fragte Mike Rander und sah die junge Frau an.

Oh, mein Gott“, sagte sie stockend,

es war jemand in meinem Zimmer. Ich habe ihn deutlich atmen gehört . . . Ich starb fast vor Angst. Und dann wurde dieses Messer aufs Bett geschleudert . . . Stellen Sie sich vor, es wäre zehn Zentimeter höher geworfen worden . . Ich wäre unfehlbar getroffen worden.“

Donnerwetter!“ sagte der alte Plondses und wendet sich den beiden Privatdetektiven zu.

Wie konnte das geschehen . . .? Ich hatte doch ausdrücklich verlangt, daß das Zimmer von Miss Ralton besonders scharf bewacht wird.“

Ich stand draußen auf dem Korridor“, behauptete der zweite Privatdetektiv.

Ich habe nichts gesehen und nichts gehört . . . Miss Ralton muß sich getäuscht haben!“

Auf keinen Fall“, sagte die junge Frau mit etwas schriller Stimme, in der noch die Aufregung schwang.

Sehen Sie sich doch das Messer an . . . Habe ich mich da auch geirrt?“ Mike Rander hatte den Dolch inzwischen hochgehoben. Er hatte dazu selbstverständlich vorsichtig sein Taschentuch benutzt, um möglichst wenige Fingerspuren zu zerstören oder zu verwischen.

Kennen Sie das Messer?“ fragte er, sich an Plonders wendend.

Natürlich . . .“

Haben Sie irgendeine Waffensammlung im Schloß?“

Das gerade nicht, aber dieses Zeug hängt in Mengen in den einzelnen Zimmern herum . . . Zur Dekoration, verstehen Sie . . .!“

Sie können nicht sagen, aus welchem Zimmer diese Waffe stammt?“

So aus dem Handgelenk heraus natürlich nicht . . .!“

Sollten wir nicht alle Zimmer danach absuchen, ob irgendwo eine Waffe fehlt?“ schlug Butler Parker vor.

Das werde ich sogar selbst in die Hand nehmen“, sagte der alte Plonders energisch.

Kommen Sie . . .!“

Er hatte sich an seine beiden Privatdetektive gewendet und verließ mit ihnen das Zimmer. Weder Mike Rander noch Butler Parker hielten es für notwendig, den drei Männern zu folgen.

Hatten Sie die Tür von innen verschlossen?“ fragte Mike Rander Jane Ralton.

Das weiß ich sogar ganz sicher“, erwiderte die Braut Plonders,

James … ich meine, Mister Plonders hatte mich sogar darum gebeten, weil er gewissen Ärger hat . . . Sie verstehen mich, ja?“

Nun, es wird niemals so heiß gegessen, wie es gekocht worden ist“, antwortete Mike Rander.

Darf ich mich mal in Ihren Räumen etwas umsehen?“

Aber selbstverständlich“, sagte Jane Ralton,

ich habe direkt Angst, daß sich der Kerl in irgendeinem Wandschrank versteckt hält.“

Mike Rander machte sich an die Arbeit. Butler Parker hingegen war zur Tür zurückgegangen und bat die übrigen Gäste und das Personal, doch wieder auf ihre Zimmer zu gehen. Als er das geschafft hatte, blieb er höflich an der Tür stehen und dachte an verschiedene Dinge, die er erst vor ganz kurzer Zeit gesehen und gehört hatte. Immerhin war Don Plonders bei dieser jungen Frau gewesen. Und das zu einer recht ungewöhnichen Zeit. Butler Parker hütete sich selbstverständlich vor voreiligen Schlüssen, aber er hielt es für richtig, sich intensiver um Don Plonders und um Jane Ralton zu kümmern.

Miss Ralton, Sie können sich wieder beruhigt hinlegen“, sagte Mike Randers, als er seine Überprüfung des Zimmers beendet hatte, „ich habe nichts feststellen können . . .!“

Ich denke, ich werde ein Schlafpulver nehmen müssen“, sagte die junge Frau und massierte sich die wohl schmerzenden Schläfen. Sie nickte Mike Rander dankbar zu, dann verließen Parker und sein Chef das Zimmer.

Gehen wir hinunter in die Halle‘, sagte Mike.

Ich bin gespannt, ob man herausbekommen hat, wo der Dolde fehlt.“

Butler Parker wollte gerade Rander von seinen Beobachtungen berichten, als der Anwalt laut gerufen wurde.

Man scheint was entdeckt zu haben“, sagte Mike Rander. Sie beeilten sich, in die Halle zu gelangen. Dort stand Plonders neben dem Kamin. Links und rechts von ihm hatten sich die beiden Leibwächter aufgebaut.

Oberst Landing, der ein halbgefülltes Glas in der Hand hielt, saß auf der Kante eines schweren Sessels. Das Ehepaar Trelby stand sichtlich betreten hinter einer Couch. Don Plonders rauchte eine Zigarette und gab sich recht gelangweilt. Walter Clinders, der Privatsekretär Plonders, nestelte nervös an seinem Schlafrock herum. Die Sekretärin Plonders, Alice Formers, weinte und fuhr sich immer wieder über die Stirn.

„Sie haben herausgefunden, wo der Dolch fehlt?“ erkundigte sich Mike Rander.

Und ob wir das herausgefunden haben“, sagte James Plonders. „Fragen Sie doch Miss Formers mal danach . . .l“

Ich . . . weiß nicht, wie der Dolch aus meinem Zimmer verschwunden ist“, erwiderte das schüchterne, junge Mädchen. „Ich habe Ihnen schon gesagt, Mister Ponders, daß man mich von irgendeiner Seite aus verdächtigen will. . . Welchen Grund sollte ich haben, ein Messer auf Miss Ralton zu werfen? Man will mir etwas in die Schuhe schieben!“

Den Eindruck habe ich allerdings auch“, mischte sich der Sekretär von Plonders, Walter Clinders, in die Unterhaltung ein.

Miss Formers hat doch überhaupt kein Motiv . . Man wollte ihr wohl einen sehr geschmacklosen Streich spielen.“

Walter Clinders, ein hagerer Mann von vielleicht dreißig Jahren, der eine dicke Brille trug, schob sich an Alice heran und hätte um ein Haar seinen Arm schützend um ihre Schulter gelegt.

Was meinen Sie dazu, Mister Randers?“ fragte James Plonders.

Clinders dürfte durchaus recht haben“, erwiderte Mike Rander ruhig.

„Na gut“, sagte Plonders, sich zur Ruhe zwingend,

reden wir nicht mehr davon. Da wir aber alle hier versammelt sind, möchte ich die Gelegenheit nicht versäumen, deutlich zu werden. Diejenigen, die es angeht, werden mich schon verstehen . . .! Selbstverständlich werde ich heiraten und mich durch nichts davon abbringen lassen . . . Ich habe meinen beiden Privatdetektiven Feuererlaubnis gegeben . . . Wer nachts durch die Gänge spaziert, muß also damit rechnen, daß er angeschossen wird . . . Wem das nicht paßt, der kann seine Koffer packen und gehen . . Haben wir uns verstanden . . .?“ .

„Das lasse ich nicht auf mir sitzen“, beschwerte sich Arthur Trelby. „Du hast es schließlich nicht mit Verbrechern zu tun . . . Aber bitte, wenn du meinst, dann werden Jenny und ich eben gehen . . . Wir wurden von dir eingeladen, aber wir wissen auch, wann wir zu gehen haben, besonders nach diesen Verdächtigungen.“

Wem der Schuh paßt, der zieht ihn sich an“, erwiderte James Plonders sehr anzüglich.

„Erspare mir eine Gegenantwort“, sagte Trelby kühl.

Gerade du müßtest wissen, daß ich dir gegenüber intimer loyal war.“

„Du bist dabei allerdings auch nie schlecht gefahren“, erwiderte James Plonders fast höhnisch.

Wer will noch abreisen? Ich halte jetzt keinen mehr auf!“

Mister Plonders . . . ich möchte ebenfalls gehen“, sagte Alice Formers schüchtern.

Ich habe . . . Angst . . .!“

Mister Plonders, überlegen wir uns alle den Fall bis morgen“, schlug Mike Rander vor.

Nichts im Zorn, wie man so treffend sagt . . . Aber im Grunde bin auch ich dafür, daß wir die Spannungen dadurch lösen, daß alle abreisen . . . Dadurch kann auch keiner in einen unberechtigten Verdacht geraten. Ich denke, Sie haben Ihren Spaß bisher gehabt . . . Jetzt ist es genug des grausamen Spiels . . . Verwandte sind auch Menschen.“

Na schön . . . überlegen wir uns das bis morgen“, stimmte James Plonders dem jungen Anwalt zu. „Sie haben recht, man soll keinen Bogen überspannen . . . Gute Nacht . . .!“bp_kelter3.jpg