Seltener Besuch – Butler Parker in Deutschland und der Schweiz

2001 veröffentlichte Werner G. Schmidtke im Magazin „Der Romanheft-Sammler“ (Artus-Verlag) einen netten – und wie immer sehr detaillierten – Artikel zu den Abenteuern des Butlers in Deutschland und der Schweiz. Wir geben ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages wieder. Der Artikel wurde mit einer Texterkennungssoftware eingescannt und wurde maschinell und zusätzlich manuell korrekturgelesen. Sollten doch noch kleine Fehler vorhanden sein, bitten wir dies zu entschuldigen (Hinweise gern als Kommentar).

I. Einer unter vielen?

Betrachtet man die Heldenschar des deutschsprachigen Unterhaltungstextes ganz generell – also gewissermassen ohne Einschränkungen dann war Mister Josuah Parker natürlich einer unter vielen. Aber bereits eine thematische Einengung aufs Kriminalgebiet lässt seinen Namen dezent hervorleuchten, und wenn gar die humoristische Variante dem Krimithema hinzugefügt wird, dann dürfte dieser famose Anti-Held ganz nach vorne gerückt sein. Einverstanden? Welche andere Kunstfigur einschlägiger Provenienz sollte ihm denn auch den ersten Rang streitig machen? Nur wenige Begriffe fallen einem dazu ein – Vielleicht «Inspektor Percy Brook» von Autor Hilgendorff; jener fast vergessene «Peppermint» von Walter Fürst; selbstverständlich auch «Pal Wilding» (Dönges und Netsch). Sie alle wiesen zwar – mehr oder weniger intensiv – über ihre Kriminal-Profession hinaus eine Humorbeigabe in ihren Texten aus. doch an Parkersehe Dimensionen reichte keiner heran. Und so beantworten wir uns die Eingangsfrage gleich mal selber: war Butler Parker einer unter vielen? Meinetwegen, aber was für einer!

Bei der Einordnung von Serien-Helden spielt sicher auch deren numerisches Auftreten eine Rolle – und da besitzt Butler Parker ganz starke Karten. Von 1953 bis 1992 erschienen seine Texte, und zwar als Leihbuch, als Taschenbuch und natürlich als Heft Vierzig Jahre Laufzeit ist schon ein stolzes Faktum; wobei unterm letzten Strich mehr als 600 Texte zu registrieren sind. Sehr viele einschlägige Titelfiguren gab es nicht, die diese Zahl überboten haben. Wiederholen wir also ruhig: Josuah Parker einer unter vielen? Von wegen…

Die Einsatzorte des Butlers sind mannigfach gewesen – fast rund um die Erde. Dennoch muss man bei einer allgemeinen Betrachtung die Kernpunkte seines Wirkens fixieren und dies waren Chicago und London. Englischsprachige Gebiete demnach, und nach allem, was die Texte versteckt hergeben, ist Mister Parker denn auch Brite gewesen. In all seinem gespreizt/duldsam/höflich/beharrlich wirkenden Auftreten wäre auch kaum eine andere Nationalität vom Konzept her aufgezogen, ergab die Figur Parker in ihrer Gesamtsicht ein Widerbild des skurril-spleenigen «Englishman» – so wie sie im Buche steht; von Karl May bis sonst wohin. Zwar befand sich Parker als Butler in der Lage eines vermeintlich servilen Domestiken, doch von dort aus dominierte er auf unnachahmliche Weise sowohl Situationen wie Mitspieler.

Wie schon erwähnt: des Butlers Einsatzgebiete umfassten allerlei Weltbereiche; neben Nordamerika und Großbritannien auch Lateinamerika, Afrika, Arabien, und in Europa dann Frankreich, Spanien, Italien, sowie Deutschland und die Schweiz – zu letzterem später mehr. Zunächst jedoch erlebte Josuah Parker seine Abenteuer in Chicago. Dort war er Vertrauter und Kampfgefährte des Anwalts «Mike Rander». In Ablösung ergänzten das Duo zwei nette Damen: «Sue Weston» und «Vivi Carlson». Und Autor Günter Dönges tat gut daran, mit diesen Sekretärinnen das harte Männergeschäft gewissermassen aufzulockern – ein wenig ansehnlich/holde Weiblichkeit muss wohl sein.

Als der Butler dann später seinen Brotgeber wechselte (Nr. 124/125) und sich «Lady Agatha Simpson» anschloss, kam eine dritte junge Dame ins Spiel, nämlich «Kathy Porter» – ihres Zeichens Gesellschafterin der robusten Lady. Dreh- und Angelpunkt der Parker-Abenteuer war nun London, wenngleich es auch jetzt noch diverse «Ausflüge» nach anderswo gab. Mit der hartgesottenen Lady Simpson erhielt Josuah Parker einen ebenbürtigen Dialog-Partner zur Seite, was das skurrile Moment der Texte anging. Wenig später siedelte auch Parkers Ex-Boss Mike Rander von Chicago nach London über, und in der Zusammensetzung «Parker/Simpson Porter/ Rander» – zu welchen sporadisch auch der ehemalige Taschendieb «Horace Pickett» gehörte – bestritt das Komik-Team bis zum Serienschluss seine Erlebnisse. Um hier niemanden zu unterschlagen, sei auch noch der Yard-Beamte «McWarden» erwähnt, der oftmals hilflos vor seinen Fällen stand und zwecks Unterstützung die Lady in deren Londoner Stadthaus aufsuchte. Die gespannte Atmosphäre zwischen Agatha Simpson und McWarden lässt den einschlägig Informierten unwillkürlich an ein anderes Zwist-Paar denken, nämlich «Nero Wolfe/Inspektor Cramer» in den Romanen von Autor Rex Stout. Hier wie dort «rauchte» mitunter die Luft, wenngleich es unbestritten bleibt, dass die Stout-Texte eine deutlich höhere Erzähl- und Gedankenqualität aufweisen.

Dass ein derartig speziell konzipiertes Periodikum im Laufe der Erscheinungsjahre, nein: Jahrzehnte, gewisse Ermüdungsmomente aufweisen muss, ist wahrscheinlich unvermeidlich. Zu offensichtlich wurden allzu deutliche Wiederholungen, welche nur unzureichend per Variation kompensiert werden konnten. Also: droht auch der famosesten Vorlage ein verflixter «Zeit-Tod»? Im Grunde schon, doch dies gilt wohl mehr oder weniger Für den Viel-Leser. jenen Zeitgenossen also, der Ausgabe um Ausgabe die gemeinte Serie konsumierte. Der nur gelegentliche Leser/Käufer des «Parker» mag bis zum Ende seinen Spaß an diesen überdrehten Geschichten gehabt haben und womöglich ihr Ende anno 1992 lebhaft bedauert haben. Und es sei eingestanden: ich selbst – obwohl eher Viel- denn Gelegenheitsleser – gehöre dazu.

Stamm/Haupt/Parade-Autor der «Butler Parker»-Geschichten war Günter Dönges, welcher diese Maer per Leihbuch begann. sie innerhalb der Heftreihe «Bastei-Kriminalroman» fortsetzte, um schließlich im Zauberkreis-Verlag die große Zeit des Butlers zu erleben. Dort – nämlich bei Zauberkreis – erschienen dann auch die vier Taschenbücher dieses Themas, die keineswegs Nachdrucke waren, sondern Exklusivtexte. Hin und wieder war unter den Texten der mittleren Periode auch ein «Fremdtitel» – obwohl als Autor Günter Dönges angegeben war. Erst gegen Ende des Periodikums wurden Fremdautoren auch namentlich angegeben – dies sind z . B. gewesen: Curt H. Wendt; Edmund Diedrichs; Jochen Kobusch; Manfred Wegener. Die beiden ersteren versuchten mehr oder weniger gelungen den Dönges-Ton nachzuempfinden, während Kobusch ein völlig anderes Sprachbild offerierte. Und wieder ein Geständnis meinerseits: es dauerte geraume Lesezeit, bis ich imstande war, die Namen Wendt und Diedrichs von Dönges zu trennen – es hätten ja auch Pseudonyme gewesen sein können. Aber wenn man sich erst einmal eingelesen hat, fällt einem doch jeder «falsche» Zungenschlag auf.

Soviel also hier im Schnelldurchgang zur Statistik der Butler Parker Erzählungen. Denjenigen, welcher mehr wissen möchte zu Thema/Autor/ Gegebenheiten, verweise ich auf das Sonderheft «Günter Dönges», das im Artus- Verlag vor einiger Zeit erschienen ist, und in welchem die Aktivitäten des renommierten Autors in relativer Ausführlichkeit nachgezeichnet sind.

II. – ein alter, müder und relativ verbrauchter Mann

Muss daran erinnert werden, dass wir es beim »Parker» keineswegs mit einer Kriminalserie à la Detektiv zu tun haben? Wir wollen hier nicht sozusagen «…offene Türen einrennen» oder gar «…Eulen gen Athen tragen» – deswegen nur der knappe Hinweis: Josuah Parker himself war anders als die vielen anderen seiner Profession! Nun, da alles vorbei ist, Erinnerung nur noch und Nostalgie, mag man sich überwinden zu der elegischen Einsicht: dieser Butler ist einmalig gewesen! Dazu gehörte vieles, famoses und skurriles Auftreten – auch und vor allem das echt britische Understatement Sein immer wieder vorgebrachtes und geäußertes Geständnis, er sei im Grunde ein «alter, müder und relativ verbrauchter Mann» war gewissermassen Höhepunkt einer Personenbeschreibung, die absolut täuschte und im Grunde das Gegenteil dessen behauptete, was Wirklichkeit war. Selbstverständlich war Josuah Parker weder alt noch müde, und verbraucht schon gar nicht. Wie schon gesagt: Understatement par excellence! Aber als serientypisches Faktum muss gerade dieser kummervolle Satz hervorgehoben werden – der Butler (bzw. sein Autor) hat ihn Mal um Mal in spezifischer Weise angemerkt.

Eigenschaften und Marotten der Titel Figur waren indes nicht von Anfang her im Darstellungsbild vorhanden; jedenfalls nicht in vollem Umfang. Das alles entwickelte sich sozusagen peu ä peu im Verlaufe der Erscheinungsjahre. Gewisse «Waffen» des Butlers wurden verfeinert, umgerüstet, ergänzt, sogar abgeschafft. So «kämpfte» Josuah Parker beispielsweise in der Chicago-Periode – also während der Frühzeit seiner Abenteuer – mit einem scheinbar rostigen Revolver von veritablem Ausmaß sowie den Spezialzigarren, welche entsetzliche «Düfte» entwickelten und angezündet so manchen Widersacher zu Hustenanfällen samt schleunigster Flucht zwangen. Beide «Waffen» gab es später nicht mehr.

Auch sein famoser Regenschinn, der ihm fast immer am Unterarm hing, erfuhr eine Metamorphose: vermochte sein Besitzer zunächst ein dolchartiges Messer aus der Spitze des Wetterdaches schnellen zu lassen, veränderte sich das schließlich zur Abschussvorrichtung von gefiederten Kleinpfeilen, welche mit Betäubungssubstanzen getränkt waren. Übrigens Regendach: an ihm konnte sogar eine Autorentrennung ausgemacht werden. Während nämlich bei Günter Dönges lediglich der Griff «bleigefüttert» gewesen ist, um gegebenenfalls einen Bösewicht einschläfern zu können, waren bei Curt H. Wendt Griff und Schirmspitze auf diese Weise präpariert. Man wird keinen Dönges-Text finden, in welchem auch die Spitze «bleihaltig» war.

Ähnlich «scharfgemacht» hatte Butler Parker auch seine Kopfbedeckung, eine sogenannte Melone. Hier erwies sich sinnigerweise die Krempe als gefährlich, war sie doch stahlverstärkt und konnte als Wurfgeschoss von beachtlicher Wirkung dienen. Wurftechnisch ebenbürtig erwies sich Josuah Parker übrigens seine zweite Herrschaft, die majestätische Dame Agatha Simpson. Ihren «Pompadour», jenen Handbeutel mit dem eingefügten Hufeisen, benutzte die Lady ebenso souverän als Kampfmittel wie ihre gefährlichen Hutnadeln. Gefürchtet waren auch die unversehens verabreichten Ohrfeigen und die derben Fußtritte gegen Gauner-Schienbeine, mittels derer sich Agatha Simpson immer wieder Respekt verschaffte.

Doch zurück zum Butler: als eine seiner wirksamsten Waffen sollte das Katapult nicht übersehen werden. Auf gewisse Weise löste dieses Instrument den rostigen Revolver ab, welcher in der Frühzeit der Butler-Geschichten zur «Bewaffnung» gehört hatte. Und dieses Katapult hatte den Vorteil, absolut lautlos wirken zu können und mit den verschossenen Tonkugeln unterschiedlicher Wirkung für mannigfaltige Verwirrung zu sorgen. Genug, genug hier zur «Kampfbereitschaft» des Butlers samt seiner Herrschaft. Der versierte Leser wird wissen, was gemeint ist und etwaige Versäumnisse unsererseits nach seinem Lese-Wissen ergänzen.

Über allem indes, über dem manieriert/skurril/ungewöhnlichen Verhalten und Agieren des Butler-Teams, schwebte als gewissermaßen unverwechselbare Eigenheit die Sprache des Josuah Parker. Autor Dönges hat sie mehr als einmal als «barock» klassifiziert – und wir möchten dem hier nicht widersprechen. Um zu illustrieren, sei nur ein Beispiel angeführt: war die Situation etwa demgemäß, dass man sagen mußte «Die Lage ist ausweglos», dann lautete des Butlers Kommentar etwa: «Die Lage ist das, was der Volksmund gewöhnlich als ausweglos bezeichnet».

Wie schon angedeutet: diese überaus gestelzt wirkende Ausdrucksweise Josuah Parkers schwebte latent über den Geschichten, war sozusagen Teil ihrer manierierten Eigenheit und hob sie ab vom «normalen» Kriminaltext. Ein Einwand: gewiss, ein Vielleser könnte sich an all das Gesagte gewissermaßen «gewöhnen», es kaum noch richtig wahrnehmen –aber dies wäre dann der Preis für übermäßigen Genuß des «Periodikums». Und so: die verquasten Formulierungen, die fern jeder Logik stattfindenden Ereignisse/Taten – sie machten ihn aus, sie symbolisierten und prägten ihn: den «Parker». Und wer stand im Mittelpunkt all dieser hanebüchenen Abenteuer der ebenso erzählerisch famosen wie gedanklich abstrusen Texte? Richtig geraten: …ein alter, müder und relativ verbrauchter Mann!

III. Ein Mann namens Josuah Parker bei seinen Lesern

Wir haben sie erwähnt und fixiert: die generellen Handlungsorte des Butlers mit zunächst Chicago, später London – dann die mannigfachen «Ausritte» quer durch die Welt. All dies ist richtig und präzise, doch nun wollen wir endlich unserer Titelzeile gerecht werden, nämlich dem Agieren unseres Anti-Helden unter deutschen, bzw. schweizerischen Vorzeichen. Falls ich mich richtig erinnere, hat es fünf Parker-Abenteuer in diesen beiden Ländern gegeben – drei in Deutschland, zwei in der Schweiz. Hinzugefügt muss allerdings werden, dass ich nicht alle einschlägigen Texte gelesen habe, bzw. besitze. Wenn also ein Leser dieser Zeilen um weitere Ausgaben der gemeinten Lesart wissen sollte, wäre ich für kurze Information dankbar.

Angemerkt sei auch noch, dass Josuah Parker bei den Auslandsreisen auf sein privates Vehikel verzichtet hat – jenes umgebaute ehemalige Londoner Taxi, welches zahlreiche «Kunststücke» in sich trug und deswegen auch zuweilen «Trickkiste auf Rädern» genannt wurde. Mittels seinem «hochbeinigem Monstrum» – so ein weiterer nome du guerre – narrte der einfallsreiche Butler immer wieder die Bösewichte und Gauner, die ihm ans Leder wollten. Seltsamerweise besaß Parker dies Gefährt bereits während der Chicago-Periode – also im Frühbereich der Geschichten. Später indes wurde das «Monstrum» nur noch in Großbritannien benutzt. Aber auch hier die Einschränkung: soweit mir bekannt.

Doch jetzt endlich in medias res – zum deutschsprachigen Teil des Parker-Erlebens. Der besseren Übersicht wegen sei die kurze Titelliste vorgeschaltet:

Deutschland

Silber-Krimi 800:

Parker u. der König der Reeperbahn (Hamburg)

Butler Parker 204:

Parker legt den Berggeist lahm (München)

Butler Parker 209:

Parker neckt die Todesnarren (Köln)

Schweiz

Butler Parker 122:

Parker wirft mit Schnee und Dynamit (Kandersteg)

Butler Parker 125:

Parker reizt den Mann im Frack (Locarno)

Alle fünf Titel stammen übrigens vom Original-Autor, also Günter Dönges. Zwischenfrage: was bewog den Verfasser, seinen Paradehelden in diesen Teil Mittel-Europas zu delegieren? Waren es womöglich persönliche Kenntnisse von Örtlichkeiten, vielleicht erworben bei Urlaubsaufenthalten? Auch ein Viel- und Serienschreiber mag zuweilen profitieren von gewissen «Wirklichkeiten» – siehe zu diesem Thema meinen Aufsatz «Was wahr war» in Nr. 21 des DRS. Aber dergleichen Gedanken sind Spekulation, können nicht nachgewiesen werden. Lassen wir sie mal – da ausgesprochen – im Raume des Denkbaren stehen. Und schauen uns ebenso knapp wie konkret ein wenig um im «Innenleben» der avisierten Erzählungen.

Parker und der König der Reeperbahn

Hamburg – Sankt Pauli – Reeperbahn! Begriffe für Amüsement, ja Ausschweifungen – und das weithin bekannt. Das Duo Parker/Rander, serientheoretisch noch in Chicago ansässig, weilt in der Hansestadt, weil der Anwalt dort etwas zu erledigen hat. Der Butler nutzt die Gelegenheit zu einem Bummel ins Rotlichtmilieu rund um die «Große Freiheit». Und Parker kommt in Fahrt, wird von gewissen «Damen» angesprochen, säuft mit einem zwielichtigen Lokalgast, scheut sich schließlich nicht, mit dem «Stier von Altona» – einem abgewrackten Boxer – in den Ring zu steigen. Belustigung ä la St. Pauli – Lokalboxen mit Gewinnversprechen; natürlich nur bei Sieg. Nun also, der Butler schlägt den fetten Exboxer in den Ringstaub, doch die 750 Mark Prämie… die möchte man nicht so gerne zahlen. Man weiß ja, wie das so ist in gewissen Bereichen Hamburgs. Endstation Davidswache, der Leser erfährt, dass Parker etwas Deutsch spricht, sich nicht gerne übers Butler-Ohr hauen lässt und sonst – na ja, lokaltypisches Amüsement eben. Gut nur, dass Miss Vivi Carlson nicht mit von der Hamburger Partie ist, anscheinend blieb sie in Chicago/USA.

Kriminalistische Aspekte gab es auch noch, Waffenschmuggel wird ruchbar, Kommissar Steiner von der Hamburger Kripo mischt mit und zum Schluss beweist der unvergleichliche Butler sein Universal-Talent: er steuert auf der Norderelbe eine Hafenbarkasse souverän zum Ziel. Und so endete das Hamburger Abenteuer mit vollem Erfolg für Parker und seinen Boss Rander.

Parker legt den Berggeist lahm

Vom hohen Norden Deutschlands geht es jetzt ganz nach Süden, gen München, der heimlichen Hauptstadt des Landes. Hier ist der Butler bereits unter den Fittichen der Lady Simpson, demzufolge in Begleitung von Miss Kathy Porter, und auch sein Ex-Boss Mike Rander hat die USA verlassen; ist nun Verwalter des Simpson-Vermögens und außerdem ohne Erröten auf der Spur Miss Porters. Übrigens sehr zur Freude der robusten Lady, welche nichts lieber sähe als eine Verbindung der beiden. Sie nennt diese jetzt bereits zärtlich ihre «Kinder», aber bis zum Ende des Periodikums wird nichts aus ihren Vorstellungen. Soviel hier mal ganz generell vorausgeschickt.

Was das bayerische Abenteuer von Parker & Co angeht, so führte es bald aus München hinaus gen Garmisch-Partenkirchen. Zur Einstimmung allerdings begeben sich Parker und Mylady zum Münchner Oktoberfest, wo die übliche «Bombenstimmung» herrscht. Der Butler erklärt seiner Herrin diskret die Eigenheiten dieser Festivität – und Agatha Simpson ist sogleich begeistert bei der Sache, delektiert sich am süffigen Bayerischen Bier und dirigiert schließlich im Festzelt eine Trachtenkapelle. Eine Mordsgaudi – wie man so sagt. Mylady jedenfalls kann nicht genug bekommen – es gibt ja so viele Bierzelte auf der Wies’n…

Eigentlich wollte die Dame ja auf den Spuren eines gewissen Ludwig II. wandeln, Schlösser besuchen, usw., doch nun überdeckt plötzlich die Gegenwart jene Vergangenheit, denn allenthalben sieht man Plakate mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß – es ist Wahlkampfzeit. Doch auch kriminelle Aktivitäten hält die Gegenwart parat: per Zufall belauscht der Butler ein Gespräch junger Leute, wo von Geldtransport und risikolosem Überfall die Rede ist. So mündet die Bildungsreise der Engländer wieder dort, wo Parker & Co. zu Hause sind: im Abenteuer. Gemeinsam mit dem Münchner Kommissar Leitner geht das Trio Parker/Rander/Porter die Sache an, und auch Lady Simpson vergisst erst einmal die Schlösser-Tour, um aktuelleren Ereignissen nachzuspüren. Die alten Schlösser laufen ja nicht weg…

Parker neckt die Todesnarren

Karneval in Köln, und Lady Simpson hat sich nebst Butler Parker unters närrische Volk gemischt. Die füllige Dame hat sich als Spanierin verkleidet, schunkelt begeistert mit und schlägt mit der Narrenpritsche um sich. Parker an ihrer Seite trägt sein übliches Gewand, also schwarzen Covercoat, dunkle Melone und gerollten Schirm. Und man fällt auf: der Festausschuss naht, um sowohl der Lady wie dem Butler einen Karnevalsorden umzuhängen. Die ehrenwerten Herrschaften sind nämlich der irrigen Meinung, auch Parker hätte sich «verkleidet». Nun gute der Butler fügt sich ins Unvermeidliche -es ist ja Karneval. Und Agatha Simpson ist in ihrem Element; der brodelnde Festsaal animiert sie mächtig.

Dann aber tauchen unvermittelt andere kostümierte Leute auf, und die gehören mitnichten zum rheinischen Karneval. Stichwort hier: Geheimdienste. Es geht also um Dinge, von denen man nicht spricht, welche aber dennoch höchst bedeutend sind – staatspolitisch wichtig, sozusagen. Im Halbdunkel der Spionage treiben der deutsche und auch ausländische Dienste ihr undurchsichtiges Spiel vor dem Hintergrund das Kölner Allotrias. Butler Parker und Lady Simpson sind diesmal allein auf sich gestellt, ohne die übliche Begleitung. Der Showdown findet dann wieder unter karnevalistischen Begleitumständen statt: zwischen schmetternder Musik, kostümierten Narren, dem Straßenfestzug und sonstigem Beiwerk heißt es nun Agenten gegen Agenten – und die beiden britischen Besucher von Köln kommen noch einmal davon. Sie haben einen famosen Karneval erlebt – aber mit Beigeschmack…

Parker wirft mit Schnee lind Dynamit

Urlaub im Schnee! Und dann noch in der Zentralschweiz, genauer gesagt: im idyllischen und weithin bekannten Kandersteg! Das Trio Parker/ Rander/Vivi Carlson ist angereist, hat allen kriminalistischen Ballast daheim in Chicago gelassen und freut sich auf weiße Ferien. Anwalt Mike Rander hat ein Chalet gemietet, idyllisch am Wald gelegen, mit direktem Blick auf den Kurort Kandersteg. Was kann schöner sein?

Aber dann: schon bald begegnet Josuah Parker einem alten Bekannten, der in USA nachweislich Verbindungen zur Cosa nostra hatte, seines unrühmlichen Zeichens ein Spezialist in Sachen «Mord». Da hatte die gnadenlose Vergangenheit das gemeinte Trio doch tatsachlich eingeholt, und das im urlaubsfrohen Schneeparadies!

Wer sollte hier in der sanft-ruhigen Schweiz ermordet werden? Parker lässt diese rhetorische Frage keine Ruhe. Trotz allerlei Ablenkung bei Curling und Skeleton-Abfahrt in der Eisrinne beweist der Butler, dass seine eigentliche Profession die Kriminalistik ist. Und schlussendlich werden die Bösewichte auch dingfest gemacht, vor allem geklärt, dass jener Prinz des Erbes wegen seine Schwester aus dem Wege räumen lassen wollte. Soweit also das berufliche Interesse des Butlers.

Aber Skeleton: wo auf der Welt gibt es das schon, – wenn nicht hier in der Winter-Schweiz? Im Gegensatz zum Rodeln, das bekanntlich seit einiger Zeit olympische Disziplin ist, und wo die Sportler ihre kleinen Schlitten rücklings liegend zu Tal steuern – im Gegensatz also dazu stürzt sich der Skeleton-Fahrer bäuchlings, Kopf voran, in und durch die Eisrinne. Wahrlich ein Todeskommando! Die winzigen Schlitten sind unter dem Körper des Fahrers gar nicht zu sehen.

Ist es ein Wunder, dass Butler Parker sich dieser absoluten Mutprobe stellen möchte? Schließlich: ein Parker muss einfach alles können, und dies nicht nur bezogen auf die diversen Anforderungen der kriminalistischen Wirklichkeit, sondern auch beim Ausüben des angeblich so «gesunden» Sports. Aber der Ehrgeiz eines Josuah Parker kannte kein Pardon – nicht einmal sich selbst gegenüber.

Parker reizt den Mann im Frack

Die Sache spielt in Locarno und Bellinzona, wo man bekanntlich italienisch spricht. Beherrscht Josuah Parker auch diese Sprache? Wir wissen es nicht, es ist auch nicht so wichtig. Erheblich interessanter ist die Tatsache, dass hier zwei Paare aufeinander treffen, welche die Aufklärung kriminalistischer Geheimnisse auf ihre Fahnen geschrieben haben: zum einen Anwalt Mike Rander/Butler Parker, zum anderen Lady Agatha Simpson/Kathy Porter. Erstere noch in Chicago ansässig, letztere aus London, ihrer Majestät Hauptstadt. Wir wollen nicht lange darum herumreden: anlässlich dieses Abenteuers in Locarno/Bellinzona führen die Wege dieser Vier zueinander, verknüpfen und verwirren sich, sind schließlich nicht mehr zu trennen – aus zweimal zwei werden vier, das Quartett wird geboren, das nun und in der Folge noch kaum gezahlte Erlebnisse gemeinsam bestehen sollte. Bis zum bitteren Ende…

Dazu kam noch dies: Butler Parker sollte hinüberwechseln zu Lady Simpson, seinen bisherigen Boss Rander verlassen. Der Wahrheit die Ehre – dies gefiel dem Butler zunächst überhaupt nicht. Zu eigensinnig und geradezu despotisch erschien ihm die englische Lady, die von sich so überzeugt zu sein schien wie Parker seinerseits von sich und seinen Fähigkeiten. Aber der Farbigkeit der Serie zuliebe segneten Autor/Verlag den neuen «Bund» wohl ab, und die Figuren des Periodikums fügten sich in ihr Serien-Schicksal – was blieb ihnen auch übrig?

So kam es – basierend auf diesem Abenteuer in der italienisch gefärbten Schweiz – zur neuen Konstellation: gewissermassen federführend die beiden skurrilen Protagonisten Josuah Parker und Lady Simpson, als Stichwortgeber die Gesellschafterin/Sekretärin Kathy Porter sowie Anwalt Mike Rander. Letzterer hatte schon bald nach der «Vereinigung» seine Praxis in Chicago aufgegeben und war übergesiedelt nach London. Hatte die entzückende Kathy bei diesem Entschluss eine entscheidende Rolle gespielt? Auch dies wissen wir nicht, nehmen es jedoch hier mal an.

Soviel mal an Generellem zum Thema Veränderungen im Parker-Periodikum. Was nun – und da müssen wir zurückgehen zum Thema des betreffenden Schweiz-Abenteuers-den Inhalt des «hervorragenden» Abenteuers angeht, so handelte es sich um die Machenschaften eines Immobilien- Haies – wie man heutzutage wohl sagt. Fast überflüssig, zu erwähnen, dass jener mit seinen Absichten kaum Chancen hatte gegen die vereinte «Schlagkraft» des neuen Quartetts. Eine Ausflugsbootfahrt auf dem Lago Maggiore trieb die Dinge voran, und ausnahmsweise hatte Parker sein hochbeiniges Monstrum – eben jenes alte Londoner Taxi – heranbringen lassen. So regelte sich alles auf bewährte Weise: zum Leidwesen der «Bösen», zum Erfolgserlebnis für die vier «Guten». Welcher Leser hätte auch anderes erwartet?

Aber noch einmal erwähnt, festgestellt und der Parker-Chronologie anheimgegeben: in diesem Text, eben dem Titel «Parker reizt den Mann im Frack», passierte jene bemerkenswerte Veränderung im «Innenleben» der Serie – des Butlers Wechsel von Mike Rander zu Lady Simpson und damit eine Aufgabe von Standort Chicago zugunsten London. Ob dies der Reihe gutgetan hat? Das konnten eigentlich nur die Leser entscheiden – ob sie weiter den «Parker» kauften oder nicht. So wie die Dinge liegen, honorierte man wohl diese Entwicklung, noch über Jahre hinweg erschienen die einschlägigen Abenteuer des Butlers – und meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist diese Periode «Parker/Simpson» die skurrilste des gesamten Periodikums gewesen.

IV. Schluss-Bemerkungen

Was bleibt zu sagen? In Anbetracht unser heutigen Thematik, nämlich den Parker-Erlebnissen in Deutschland und der Schweiz, könnte man grundsätzlich nach dem Reiz des «Wirklichen» fragen, sofern dies in einem Periodikum von fiktiver Art überhaupt auftaucht. Sollen wir uns diesem Umstand gewissermassen die Dinge abschließend noch unterziehen? Ja doch? Nun gut, es sei. Lesermeinung ist uns schon immer sozusagen Befehl gewesen.

Vorausschicken wollen wir die Erkenntnis, dass es gewissermassen zwei unterschiedliche Formen von Wirklichkeitsbezug im Unterhaltungstext gegeben hat. Zum einen die oberflächliche Betrachtung, bei der lediglich gravierende Reizpunkte einer Stadt (Landschaft, Gegend) erwähnt und genannt wurden – zum anderen ein oft punktgenaues Eingehen auf gewisse Örtlichkeiten des gemeinten Terrains. Letztere Version findet man z. B. — sofern der jeweilige Autor informiert gewesen ist – bei Serien wie «Tom Shark» und «Harald Harst». Im Falle «Butler Parker» handelte es sich mehr um die erstere Art wenn mich Erinnerung und Wissen um die Dinge nicht täuschen.

Übrigens: einen Wirklichkeitsanspruch besonderer Art erlebte der Leser bei «Jerry Cotton» – der herausgebende Verlag Bastei tat dies sozusagen lauthals kund im Reklamebereich. Alle Straßen, Plätze, usw. in New-York seien präzise der Wahrheit nach geschildert, auch die genannten Entfernungen würden stimmen – deutsche Seeleute auf Landgang hätten dies nachgeprüft. Na wundervoll, muss man konstatieren – als ob es den «Jerry C.» tatsächlich geben würde. Mir persönlich indes war und ist es herzlich egal, ob Cotton/Decker da in exakter Zeit per Jaguar auf dem Broadway unterwegs waren, ob wirklich an der Ecke 42. Straße ein Drugstore (Tankstelle, etc.) vorhanden war, ob das geschilderte Theater tatsächlich so hieß. Gut, da hatte also Autor X (meist wohl Höber) per Stadtplan geschrieben. Doch was sollte das alles, welchen Unterhaltungswert wollte man projizieren? War es nicht – viel wichtiger, wenn der Text wenigstens lesbar gewesen ist – in guten Momenten sogar ausgezeichnet? Alles andere wirkt aufgepfropft, überflüssig, unnötig.

Eigentlich dürfte auch jedes Lokalkolorit mit präzisem Hintergrundcharakter nur für jenen Leser womöglich interessant sein, der die gemeinte Stadt selber kennt. Der weiß, wovon gerade gesprochen wird, was richtig oder umgekehrt geschildert wurde. Für einen Berliner Konsumenten waren das vielleicht die erwähnten Serien «Shark/Harst» – aber schon ein Leser von dergleichen Schriften in Hamburg/Köln/München/Wien/ Zürich/Bern ua. mochte dafür nur ein Achselzucken übrig haben.

Genug der Abschweifung. Abschließend noch einige Gedanken zu «Butler Parker» und dessen Spezifitäten. Außer seinen diversen «Kampfmitteln» dürfte die absolute Höflichkeit in Erinnerung geblieben sein, deren sich der Butler befleißigte. Ob Freund oder Feind: Josuah Parker fiel nie aus (seiner) Rolle, seine Selbstbeherrschung war gewissermaßen «übermenschlich». Dass dabei zuweilen die Ironie unüberhörbar gewesen ist, gehörte einfach zum vorsätzlich skurrilen Figurenbild. Und natürlich Parkers Ausdrucksweise an sich – dermaßen verdreht und manieriert, dass so mancher seiner Gesprächspartner erst einmal überlegen musste, was überhaupt gesagt worden war. Autor Dönges nannte diese Parker-Sprache zuweilen «barock», etwa im Sinne von überladen gemeint – dem wollen wir hier nicht widersprechen. Und als zusätzliches Moment von gewaltlosem Agieren lüftete der Butler seine dunkle Melone, deutete dann eine knappe Verbeugung an. Dass mit solchem Verhalten eine verärgerte Reaktion förmlich provoziert wurde, ist leicht vorstellbar, gehörte als Grundelement zum unwirklichen Konzept. Jener Grundidee also, welche den Parker-Geschichten verordnet worden war, und die wohl ihresgleichen suchte im weiten Feld der deutschsprachigen Unterhaltungsliteratur.

Aber wie das so ist, wenn Skurrilitäten angestrebt und benutzt werden: der (die) Autor(en) waren bestrebt, immer noch ein Glanzlicht draufzusetzen. Bei den Dönges-Texten blieb dies mehr oder weniger im Rahmen dessen, was sich sozusagen im Laufe der Erscheinungsjahre angesammelt hatte. Andere Schreiber – vor allem Wendt – bemächtigten sich der Dönges-Vorgabe, schrieben sich rasch ein, so dass hier kein großer Bruch im Erzählerischen entstand. Wenn nur nicht die zuweilen auftauchenden «Fehl-Vokabeln» gewesen wären. Der versierte Leser wusste: so hätte Dönges nie formuliert. Im Großen ganzen aber konnten Verlag und Leser mit den diversen «Ersatzleuten» zufrieden sein. Wobei in dieser Sicht die Autoren Wendt und Diedrichs gemeint sind.

Ein Novum seitens Curt H. Wendt muss allerdings noch einschlägig erwähnt werden – es gehört zum angedeuteten Bereich des «Draufsetzens» im Bereich der Butler-Sprache. Vorausgeschickt sei, dass Autor Dönges die Redeweise seines Parkers immer mehr verfeinert hatte, dessen skurril-pointiertes Kauderwelsch sozusagen «salonfähig» machte. Ungeachtet dessen gelang es Wendt, die Dinge in dieser Richtung auf die Spitze zu treiben. Er «verbot» dem Butler praktisch das Wort «ich»! Hatte es beispielsweise bei Dönges noch geheißen: «ich möchte zu bedenken geben, dass mir eine solche Reaktion absolut fremd ist», dann steigerte Wendt das zu: «man möchte zu bedenken geben, dass einem eine solche Reaktion absolut fremd ist».

Der Wortsalat ä la Parker war um eine verquaste Nuance erweitert worden. Diedrichs und sogar Dönges selber schlössen sich dieser Steigerung – welche auf den Schlussteil der Serie zu beziehen ist – an, übernahmen also jenes «man/einem» anstelle von «ich/mir». Nur gelegentlich rutschte Günter Dönges dann noch das alte «ich» heraus.

All das skurril/ungewöhnlich/verquast/ überdreht angelegte Wortgeklingel des Butlers Josuah Parker war natürlicher Weise beschränkt auf den Dialogbereich der Geschichten. Nur in dieser Konstellation konnten dergleichen Absonderlichkeiten in vollem Umfang zur Geltung kommen. Beschreibende Passagen waren da arg gehandicapt – von wenigen Stereotyp-Situationen einmal abgesehen. Doch weil der «Parker» ganz überwiegend vom Dialog «lebte», fielen vergleichsweise nüchterne Sequenzen kaum auf. Es gab sie ja so selten. Eine dieser «wortarmen» Parker-Geschichten – ich erinnere mich noch gut daran – ist der Text «Parkers Ferien mit den Ratten» (Nr. 155). Hier verbringt der Butler eine Urlaubszeit fern seiner üblichen Umgebung, weit weg von Lady Simpson, von Kathy Porter und Mike Rander, fern auch vom altvertrauten Stadthaus der Lady in London/Shepherds Market. Gewiss, Abenteuer abseits der britischen Metropole (oder früher: abseits Chicagos) hatte es viele gegeben – nicht zuletzt jene, von denen wir eingangs berichtet haben – aber Parker sozusagen im Alleingang und auf sich gestellt, mit wenig Gelegenheit, seine spezielle Sprache anzubringen: das war mal etwas anderes. Konnte die imaginäre Gleichung «Parker minus X (alles Gewohnte und Vertraute) = unverändertes Vergnügen» aufgehen? Ich fürchte, bzw. meine: ja doch! Denn zu viel von dem, was den Butler prägte, ihn ausmachte, nahm der Leser unwillkürlich mit ins vergleichsweise redearme Urlaubsvergnügen. Man wusste ja, wie Parker zu schwadronieren vermochte, wenn er nur die Gelegenheit dazu erhielt. Und so: auch ein schweigsamer Butler blieb immer noch himself. Um zu illustrieren, sei jenes etwas «andere» Parker-Abenteuer hier kurz und knapp skizziert:

Parkers Ferien mit den Ratten

Wie gesagt, der Butler hat Ferien und möchte diese auf seine Weise verbringen. Besonders von der doch recht dominanten Lady Simpson will er sich wenigstens zwei Wochen lang «erholen». Die Dame hatte zwar gegrollt, wollte mit von der Partie sein, doch Parker war hart geblieben. Ein Hausboot hatte er sich für diese Zeit gemietet; nicht klein und durchaus komfortabel. Irgendwo in den Norfolk Broads mit ihren verzweigten Flusslaufen – nordöstlich von London und nahe der Nordseeküste – möchte der Butler ausspannen, regenerieren; bei Wasserwandern samt Nichts tun. Wundervolles Vorhaben! Auch ein Parker braucht mal eine Pause…

Und dann kommt ihm doch etwas in die Quere – nichts Weltbewegendes, mehr Störendes. Der Butler ist irgendwie ungehalten, wehrt ab, so gut es halt geht und… schippert weiter. Seine kostbaren Ferien sollen ihm auf keinen Fall «versaut» werden. Denn in der Ferne warten ja Shepherds Market und Mylady, auch Kathy Porter nebst seinem Altboss Rander – ergo das ganze Butler-Leben; wahrscheinlich voller neuer Abenteuer und Erlebnisse. Zunächst jedoch braucht Parker nichts als Ruhe; keineswegs Aufregungen der herkömmlichen Art. Die sollen gefälligst warten…

Und tatsächlich bleibt der Butler bis zur Seite 52 (von 62) allein und sich selbst überlassen. Gewiss, irgendwelche Unregelmäßigkeiten fallen ihm auf, auch absolut Unschönes trägt sich zu – so wird der Butler z. B. niedergeschlagen und gefesselt; ein Novum in seiner Karriere. Dennoch ergibt sich wenig Gelegenheit für ihn, sein hanebüchenes Vokabular anzubringen, und Autor Dönges hat die Chance für lange Beschreibungen ohne Dialog – auch dies ein Novum.

Dann aber, gegen Ende der Geschichte, ist das alles vorbei. Agatha Simpson, die stramme Lady und Wortführerin der Mischpoke, erscheint mit Kathy Porter vor Ort und meint dreist, dass man einen Mann wie Parker doch nicht sich selbst überlassen dürfe. Auch ein gewisser Kriminalfall wurde sozusagen im Handstreich geklärt, und als die Lady dann das Hausboot übernimmt, gar seine Koje kurzerhand annektiert, da weiß Parker mit letzter Sicherheit: sein Urlaub ist perdu!

Das also war er: unser Bericht von Josuah Parkers «Besuchen» in Deutschland und der Schweiz – ergänzt von einem Hinweis auf ein etwas «anderes» Butler-Abenteuer voller Urlaubs-Duft. Gerade bei langlebigen Serien voller Konzept-Zwängen war/ist es ja zuweilen ganz erfrischend, die Helden auf Pfaden zu erleben, die noch nicht allzu «ausgetreten» sind. Man weiß bekanntlich um die Wirkungen von «frischem Blut» – und sei es nur von gedanklicher Art. Vor diesem Hintergrund: schade, dass das Parker-Team nicht auch mal in Berlin weilte — das hätte dem hier federführenden Berichterstatter als eingeborenem Reichshauptstädter womöglich besonderen Spaß gebracht. Hat wohl nicht sollen sein, obgleich der Hauptschreiber des Periodikums, also Günter Dönges, vor Zeiten in Berlin gelebt und gearbeitet hat. Lokale Kenntnisse wären demnach wohl genügend vorhanden gewesen. Und die Ausrede gilt nicht, dass Berlin kein gutes Helden-Pflaster besäße. «Tom Shark» und «Harald Harst» haben es über die Massen bewiesen, von früheren «Besuchern» aus der gemeinten Szene ganz zu schweigen. Waren doch einstige Helden von Rang oder auch weniger Klang zu Stippvisiten an der Spree. «Pinkerton» etwa und «Rolf Karsten», «Wanda von Brannburg» auch, gar «John Kling» in seinen frühen Tagen; und selbst der beste Mann des FBI – ja doch, «Jerry Cotton» mit Namen – weilte zweimal unterm Schatten von Brandenburger Tor und Funkturm. Damals übrigens noch – Berlin-Kenner und Cotton-Autor Höber wusste es, lässt demzufolge posthum grüßen – mit den speziellen Reizbegriffen Sektorengrenze und Ostsektor im übergeordneten Clinch. All dies ist längst vorbei, fast vergessen, die schnellebige Zeit kannte ja nie ein Pardon.

Nur auf olle Parker hat man hier vergeblich gewartet; jedenfalls was die Berliner Schmöker-Spezialisten angeht. Hamburg und Köln und München hat der Butler beehrt, auch Locarno und Kandersteg – vor Berlin aber schreckte er zurück. War es etwa eine britische Scheu vor den derb/konsequenten Grenzpolizisten von der ostdeutschen Lesart? Das mag ich eigentlich nicht annehmen – da hätte der Butler die Szene doch sozusagen spielerisch entschärft, indem er vornehm/distinguiert einen halben Schritt zurücktrat, dezent seine Melone lüftete und überaus höflich fragte:

«Meine Herren Grenzorgane, was wollen Sie nur von einem alten, müden und relativ verbrauchten Mann?»

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